Ärzte Zeitung online, 09.07.2010

Bauchschmerzen und hohe CRP-Werte deuten bei älteren Patienten oft auf eine Appendizitis

Eine Entzündung des Appendix vermiformis trifft zwar zum größten Teil junge Menschen, bei über 60-Jährigen ist sie jedoch am gefährlichsten, denn die Entzündung wird bei ihnen häufig erst spät erkannt. Bestimmen Ärzte hier den CRP-Wert, kann dies rasch für mehr Klarheit sorgen.

Von Thomas Müller

Bauchschmerzen und hohe CRP-Werte deuten bei älteren Patienten oft auf eine Appendizitis

Vor allem für ältere Patienten hat die häufig spät gestellte Diagnose einer Appendizitis Konsequenzen.

© Yuri Arcurs / fotolia.com

BOCHUM. Druckschmerz am McBurney-Punkt, Rovsing- und Blumberg-Zeichen - damit lässt sich ein Appendizitis-Verdacht schon mal fürs Erste klinisch prüfen. Doch gerade bei älteren Menschen sind solche Tests nicht immer aussagekräftig, bei ihnen fehlen oft typische klinische Zeichen, oder diese sind wegen Komorbiditäten, etwa Adipositas oder Demenz, nur schwer zu erfassen. Zum anderen denken Ärzte bei über 60-Jährigen mit Abdominal-Schmerzen möglicherweise nicht sofort an eine Appendizitis, schließlich tritt sie in diesem Alter recht selten auf. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Appendizitis-Patienten befinden sich im Rentenalter, berichten Dr. Dominique Sülberg und Mitarbeiter von der Ruhr-Universität in Bochum (Der Chirurg 7, 2009, 608).

Hohe Komplikationsrate bei alten Menschen

Die häufig oft spät gestellte Diagnose hat Konsequenzen: So ist nach Studiendaten die Komplikationsrate bei über 60-Jährigen zweieinhalb Mal so hoch wie bei unter 30-Jährigen, die Perforationsrate ist um 30 bis 50 Prozent höher, die Sterberate ist gar um das Zwölffache gesteigert. Daher ist es gerade bei älteren Menschen hilfreich, wenn Ärzte zusätzliche zur Klinik und Bildgebung auch aussagekräftige labordiagnostische Marker für eine Appendizitis ermitteln.

In einer Studie haben die Chirurgin Sülberg und ihr Team jetzt den CRP-Wert als Appendizitis-Marker für älteren Menschen geprüft. Zwar war schon aus anderen Studien bekannt, dass mit dem Fortschreiten der Entzündung auch die CRP-Werte steigen, in welchem Maße dies für ältere Menschen gilt, war jedoch bislang nicht klar.

Erhöhte CRP-Werte sind bei Altersappendizitis typisch

Das Chirurgen-Team vom Bochumer St. Josef-Hospital hat nun Daten von 403 Patienten mit akuter Appendizitis ausgewertet, davon waren 45 Patienten (11,2 Prozent) älter als 60 Jahre. Bei allen wurden präoperativ die CRP-Werte gemessen und die Leukozytenzahl bestimmt. Insgesamt waren die CRP-Werte bei den älteren Appendizitis-Patienten deutlich höher als bei den jüngeren. So lag der Mittelwert bei den über 60-Jährigen mit Perforation bei knapp 200 mg/dl, bei den unter 60-Jährigen bei 122 mg/dl. Auch bei den Appendizitis-Patienten ohne Perforation war der Unterschied signifikant: Bei den über 60-Jährigen lag der CRP-Wert im Schnitt bei 83 mg/dl, bei den unter 60-Jährigen bei 25 mg/dl. Daraus errechneten die Chirurgen einen Cut-off-Wert von 102 mg/dl. Wird dieser von älteren Menschen erreicht oder überschritten, beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine Perforation 81 Prozent (Sensitivität), liegt er darunter, lässt sich eine Perforation zu 72 Prozent ausschließen (Spezifität). Als Faustformel geben Sülberg und Mitarbeiter an: Liegt der CRP-Wert bei älteren Menschen mit akutem Abdomen über 100, sollten sich die Chirurgen schon mal bereit machen.

Entsprechend niedrigere Cut-off-Werte lassen sich auch für die anderen Altersgruppen ermitteln, dabei sind jedoch Sensitivität und Spezifität deutlich geringer als bei den über 60-Jährigen. Nur bei unter 15-Jährigen können Ärzte anhand der CRP-Werte ähnlich präzise eine Perforation erkennen. Dagegen schnitt ein anderer Laborparameter ziemlich schlecht ab: Die Leukozytenzahl war in allen Alterdgruppen gar nicht oder nur gering erhöht.

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