Ärzte Zeitung online, 24.12.2010

Zu wissen, es ist Placebo - selbst dann spüren Patienten eine Besserung

BOSTON (ars). Der Placebo-Effekt wird meist der Kraft des positiven Denkens zugeschrieben: Die Patienten glauben, ein wirksames Medikament zu bekommen. Diese Erklärung stellt eine neue Studie in Frage. Denn die Teilnehmer berichteten über eine Linderung ihrer Beschwerden, obwohl sie wussten, dass sie ein Präparat "wirksam wie Zuckerpillen" einnahmen.

Zu wissen, es ist Placebo - selbst dann spüren Patienten eine Besserung

Und es wirkt doch : Placebo. Auch wenn man weiß, dass es "nur" Zuckerpillen sind.

© Matthias Nordmeyer / fotolia.com

Der Placebo-Effekt ist so ausgeprägt, dass Schätzungen zufolge bis zu 50 Prozent der Hausärzte in den USA ihren Patienten solche Scheinmedikamente verschreiben - allerdings ohne deren Wissen. Doch solche Täuschungsmanöver sind nicht nur ethisch fragwürdig, sie sind für eine effektive Behandlung eventuell auch überfüssig.

Vielmehr legt eine US-Studie nahe, dass Scheinpräparate auch dann zur Therapie beitragen, wenn sie ganz offiziell und im Einverständnis mit den Patienten angewandt werden. Dieses Ergebnis wirft damit ein Licht nicht so sehr auf die Medikation im Besonderen, sondern auf die Kraft des ärztlichen Rituals im Allgemeinen.

Teilnehmer der Studie waren 80 Patienten mit Reizdarmsyndrom. Die Wissenschaftler teilten sie in zwei Gruppen: Eine erhielt überhaupt keine Therapie, die andere sollte zweimal täglich ein Placebo-Präparat nehmen, dessen Wirkung als ähnlich der einer Zuckerpille beschrieben wurde (PLoS one, 22. Dezember 2010).

"Wir stellten nicht nur eindeutig klar, dass keine aktiven Substanzen enthalten waren, sondern hatten auch noch "Placebo" auf die Flasche drucken lassen", berichten die Forscher um Professor Ted Kaptchuk. Sie sagten den Patienten außerdem, dass sie gar nicht einmal an einen Placebo-Effekt glauben mussten.

Nach drei Wochen befragten sie die Patienten mit speziellen Skalen nach deren Befinden (IBS Global Improvement Scale und IBS Symptom Severity Scale). Im Vergleich zur Kontrollgruppe berichteten fast doppelt so viele Teilnehmer mit Placebo über eine signifikante Besserung ihrer Beschwerden (59 Prozent im Vergleich zu 35 Prozent). Damit seien die bewusst eingesetzten Placebo-Präparate fast so effektiv gewesen wie die wirksamsten pharmakologischen Reizdarm-Medikamente, so die Autoren aus Boston.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Ein X für ein U - einvernehmlich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So viel jünger und attraktiver macht Facelifting

Wer sein Gesicht straffen lässt, will in der Regel jünger und dynamischer aussehen. Das scheint tatsächlich zu klappen. mehr »

Niedrig dosiert starten und langsam erhöhen!

Die neue Gesetzeslage zur Verordnung von Cannabis auf Kassenkosten ist beim Schmerz- und Palliativtag begrüßt worden. Ärzte mit Erfahrung mit Cannabinoiden loben vor allem den Erhalt der Therapiefreiheit. mehr »

Obamacare bleibt!

Blamage für US-Präsident Donald Trump: In letzter Minute zogen die Republikaner die Abstimmung über die geplante Gesundheitsreform zurück. Gerade auch, weil die Zustimmung aus den eigenen Reihen fehlte. mehr »