Ärzte Zeitung online, 04.08.2011

Radioaktive Trojaner überlisten Metastasen

BONN (eb). Eine Therapie, kurz als PRRT bezeichnet, wird mit Erfolg bei neuroendokrinen Tumoren angewandt. Sie wirkt auch auf Knochenmetastasen Betroffener, haben Forscher jetzt festgestellt.

Radioaktive Trojaner überlisten Metastasen

Dr. Samer Ezziddin von der Bonner Nuklearmedizin erläutert ein Szintigramm. Im Hintergrund das Kamerasystem zum Aufspüren der Trojaner.

© Johann Saba / Uniklinik Bonn

Die als Peptidrezeptor-Radionuklid-Therapie (PRRT) bezeichnete Methode wird bei Patienten mit gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren bereits mit Erfolg eingesetzt.

"Für die effektive Therapie von Knochenmetastasen gab es bisher mit dieser Methode noch keinen Nachweis", wird Professor Hans-Jürgen Biersack, Direktor der Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Bonn, in einer Mitteilung der Uni zitiert. "Die Ergebnisse aber sind spektakulär."

Tumore sammeln bestimmte Eiweiße ein

Forscher der Universitätskliniken Bonn und British Columbia, Kanada, haben 42 Patienten mit neuroendokrinen Tumoren und Knochenmetastasen mit PRRT behandelt. Die Ärzte schleusten dabei in die Tumore das radioaktive Isotop 177Lutetium als Trojaner ein; so werden die Krebszellen von innen zerstört.

Dabei machten sie sich zunutze, dass die Tumore an ihrer Oberfläche massenhaft Andockstellen für bestimmte Eiweiße haben. Diese Eiweiße beluden die Forscher mit dem radioaktiven Lutetium.

"Es strahlt nicht weiter als etwa einen Millimeter", erklärt Dr. Samer Ezziddin, leitender Oberarzt an der Universitätsklinik für Nuklearmedizin. "Deshalb können wir damit gezielt die Tumore zerstören, ohne das Nachbargewebe zu schädigen."

Bei etwa der Hälfte der Patienten bildeten sich die Knochenmetastasen zurück, bei einem weiteren Drittel blieben sie stabil. Bei zwei Behandelten verschwanden die Metastasen komplett (J Nucl Med 2011; 52(8): 1197).

"Wir konnten einen durchschnittlichen Wachstums-Stop von 35 Monaten beobachten", berichtet Ezziddin in der Mitteilung der Uni. "Verglichen mit den Daten diverser medikamentöser Studien ist dies ein beachtliches Resultat."

Ergebnisse deuten auf verlängertes Überleben

Außerdem deuteten die Ergebnisse der PRRT-Therapie auf ein verlängertes Überleben der Patienten hin. "Während andere Chemotherapien die Ausbreitung der Metastasen im Schnitt bis zu einem Jahr bremsen, gelang dies mit den radioaktiven Trojanern mindestens drei Mal so lange - und das selbst bei Knochenmetastasen", so Ezziddin.

Die Therapiemethode wird inzwischen zunehmend angewandt, obwohl die Lutetium-Präparate noch nicht auf dem Markt sind, heißt es in der universitären Mitteilung.

"Die Handhabung des radioaktiven Materials und die Zubereitung des Therapiepräparates erfordern eine entsprechende Logistik mit eigenem Radioisotopenlabor", so Biersack. "Patienten mit Knochenmetastasen können die berechtigte Hoffnung haben, dass ihnen mit der PRRT effektiv geholfen werden kann."

Weniger durch Metastasen bedingte Schmerzen

Als Nebenwirkungen träten am ersten Behandlungstag etwa vermehrter Stuhlgang oder eine leichte Übelkeit auf. Außerdem könne es während der Verabreichung des Lutetiums zu einer geringen Abgeschlagenheit kommen. "Viele Patienten merken jedoch nichts oder kaum etwas von der Therapie", berichten Ezziddin und Biersack.

Außerdem reduzierten sich bei den Behandelten die durch die Knochenmetastasen ausgelösten Schmerzen. "Mehr als die Hälfte war sogar beschwerdefrei", so Ezziddin.

Auch Patienten mit vielen Knochenmetastasen und schwächerer körperlicher Verfassung profitierten noch von der Therapie. "Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Behandlung auch bei weit fortgeschrittenen Stadien noch erfolgreich angewendet werden kann."

|
[08.08.2011, 19:26:29]
Dr. Olga Potuzhek 
Pain
Leider sterben bei uns in Wien noch immer Krebspatienten mit entsätzlichen Schmerzen!Eine Schande.Ich als alte pensionierte Internistin kann das beurteilen.Wahrscheinlich nehmen sich die verehrten Kollegen bzw.Kolleginnen zu wenig Zeit oder die Fortbildung ist insuffizient.Hoffentlich kann ich mich rechzeitig von dieser Welt veraschieden.Mit lieben Grüßen aus dem verregneten Wien. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Wenn aus Urin Bier gebraut wird

Ekelig aber genial? Belgische Forscher wollen Bier aus Urin brauen. Doch das ist kein Marketing-Gag: Mit ihrer Idee möchten sie Bauern in Afrika helfen. mehr »

RKI will Risikogruppen besser schützen

Die Zahl von Neuinfektionen mit Hepatitis C stagniert. Deshalb rät das Robert Koch-Institut, Defiziten in der Bevölkerung zu Übertragungswegen und Schutzmaßnahmen entgegenzutreten und Risikogruppen mit Präventionsmaßnahmen zu erreichen. mehr »

Immer mehr Adipositas-Operationen

Mehr adipöse Menschen - mehr Operationen: Dieser Trend bereitet der Barmer GEK Sorgen, auch weil ihrer Ansicht nach zu oft operiert wird. Für mehr Qualität sollten bariatrische Eingriffe nur noch in zertifizierten Zentren vorgenommen werden. mehr »