Ärzte Zeitung online, 26.08.2011

Heimat der Cholera ist der Golf von Bengalen

CAMBRIDGE (eb). Alle Cholera-Infektionen weltweit lassen sich auf den Golf von Bengalen nordöstlich von Indien zurückführen. Vor dort aus hat sich die Krankheit in den vergangenen 60 Jahren in drei großen Wellen über den Globus verbreitet und breitet sich weiter aus. Belege dafür haben Forscher des Sanger Institute in Cambridge in Großbritannien jetzt vorgelegt.

Heimat der Cholera ist der Golf von Bengalen

© Gerhard Leber / imago

Jedes Jahr erkranken weltweit drei bis fünf Millionen Menschen an Cholera, 100.000 bis 150.000 Menschen fallen der Krankheit zum Opfer. Ohne Therapie sterben die Menschen an Dehydratation. Durch sauberes Trinkwasser können die Infektionen leicht vermieden werden.

In der Studie haben die Forscher 154 Proben von Cholera-Patienten rund um die Welt untersucht und dabei die Genome der Cholera-Bakterien (Vibrio cholerae) sequenziert (Nature online, 24. August). Hierdurch konnten sie Gemeinsamkeiten des Erbguts bestimmen und Unterschiede analysieren, anhand derer sich Mutationen der Erreger belegen lassen.

"Wir waren überrascht, dass das Muster, das wir sehen, so klar ist. All die Proben waren miteinander verwandt. Es gibt einen einzigen Ursprung der Cholera im Golf von Bengalen", wird Dr. Dirk Thomson vom Sanger-Institut - einer der Autoren der Studie - von "BBC News" zitiert.

Warum das Zentrum der Cholera-Ausbreitung in dieser Region liegt, ist nicht klar. Doch weiß man, dass der Cholera-Erreger natürlich in marinen Ökosystemen vorkommt. Das Klima der Region sowie die großen Fluss-Deltas von Ganges und Brahmaputra könnten die Erreger in der Region begünstigen.

Nach den Daten werden schwere Erkrankungen von Cholera plötzlich über Kontinente verbreitet, wahrscheinlich durch Langstreckenflüge. Das sei zum Beispiel zwischen Angola und Südamerika passiert, so Thomson. Da Menschen mit Cholera infiziert sein können, ohne Symptome zu haben, werden die Erreger dabei ohne das Wissen der Überträger weitergegeben.

Der letzten Ausbruch der Seuche begann in Haiti kurz nach dem Erdbeben 2010. Vorher hatte es in dem Land seit mehr als 100 Jahren keine Cholera mehr gegeben. Bis jetzt sind in Haiti fast 6000 Menschen an der Seuche gestorben und 200.000 in Kliniken behandelt worden, ein Ende des Aufsbruchs ist nicht in Sicht.

Ein Bericht der US-Centers for Disease Control an Prevention hat den Ausbruch mit UN-Truppen aus Nepal in Verbindung gebracht (wir berichteten). Die Hypothese, dass die Seuche durch die Soldaten eingeschleppt wurde, wird durch die aktuelle Studie weiter gestützt.

Die Genom-Analyse bringt zudem eine weitere beunruhigende Erkenntnis. Drei Wellen von Cholera haben seit 1950 ihren Ursprung im Golf von Bengalen. Seit der zweiten Welle hatten alle Stämme Antibiotika-Resistenzen.

Das heißt, dass die Erreger bereits in den ersten 15 Jahren der Verwendung von Antibiotika wie Tetrazyklin und Furazolidon Resistenzen erworben haben, warnen die Forscher. Die Resistenzen können dabei zwischen den einzelnen Erreger-Stämmen ausgetauscht werden; Multiresistenzen werden so künftig sehr wahrscheinlich werden.

Cholera ist symptomatisch für arme Länder, wo die Infrastruktur für sauberes Trinkwasser zusammengebrochen ist. Was die Studie zeigt: Armutsregionen etwa in Afrika beeinflussen zum Beispiel Armutsregionen in Amerika. Es ist nahezu unmöglich, die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Deshalb muss verstärkt in die öffentliche Gesundheit von Entwicklungsländern investiert werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Künstliche Herzklappe raubt oft den Schlaf

Fast ein Viertel aller Patienten mit einer mechanischen Herzklappe klagt über Schlafstörungen. Die Ursache hat eine einfache Erklärung. mehr »

Das sind die Wünsche an die neue Weiterbildung

Am Freitag steht die Musterweiterbildungsordnung auf der Agenda des Deutschen Ärztetags. Wir haben dazu drei junge Ärzte und den BÄK-Beauftragen Bartmann befragt. mehr »

"Sportlich, unrealistisch, überkommen"

Am Donnerstagnachmittag debattiert der Deutsche Ärztetag über die GOÄ-Novellierung. Unsere Video-Reporter haben sich vorab dazu umgehört. mehr »