Ärzte Zeitung online, 18.10.2011

Verdauen Pandas Bambus mit Hilfe von Clostridien?

WASHINGTON (dpa). Lange Zeit war es Forschern ein Rätsel, wie Pandabären die Unmengen von Bambus verdauen, die sie täglich futtern. Mit Hilfe einer Genanalyse haben Wissenschaftler nun belegt, dass Bakterien im Darm einen Großteil der Verdauungsarbeit übernehmen.

Verdauen Pandas Bambus mit Hilfe von Clostridien?

Ein Pandabär verschlingt täglich Unmengen Bambus - verdaut aber nur einen Teil davon.

© jonasginter / Fotolia.com

Diese Bakterien produzieren unter anderem Enzyme, um die Zellulose in den pflanzlichen Zellwänden zu knacken.

Die Forscher berichten in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften von ihrer Untersuchung. Ein ausgewachsener Großer Panda (Ailuropoda melanoleuca) verschlingt rund zwölf Kilogramm Bambus am Tag.

Pandas fehlt der für Pflanzenfresser typische lange Darmtrakt

Die Verdauungsorgane der Pandas sind für den Abbau dieser Nahrung eigentlich überhaupt nicht ausgelegt. So fehlt den Tieren zum Beispiel der für Pflanzenfresser typische lange Darmtrakt, in dem die harte Pflanzennahrung lange genug verweilen kann, um in ihre Nährstoffe zerlegt zu werden.

Zudem besitzen die Tiere in ihrem Erbgut zwar alle Gene, die für den enzymatischen Abbau von Fleisch nötig sind, aber keine Gene für die Verdauung pflanzlicher Nahrung.

Hinweise auf Clostridium-Bakterien

Lifeng Zhu vom Institut für Zoologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und seine Mitarbeiter fahndeten deshalb in Stuhlproben wildlebender und gefangener Pandabären nach Gensequenzen, die auf die Anwesenheit von Zellulose-abbauenden Bakterien im Darm hinweisen könnten.

Diese Genanalyse lieferte zum einen Hinweise auf Clostridium-Bakterien, die bekanntermaßen Zellulose verdauen können. Zum anderen fanden die Forscher Spuren von Enzymen, die Zellulose und auch Hemizellulose aufspalten.

Pandabären verdauen nur etwa 17 Prozent der Pflanzennahrung

Im Vergleich mit anderen Pflanzenfressern sei der Anteil dieser Enzyme eher gering. Dies erkläre vermutlich, warum Pandabären nur etwa 17 Prozent der aufgenommen Pflanzennahrung verdauen, schreiben die Forscher.

Neben den Darmbakterien trügen andere Anpassungen - etwa die starken Mahlzähne oder der massive Schädel mit den ausgeprägten Kaumuskeln - dazu bei, dass die Pandabären trotz ihres Fleischfresser-Verdauungsapparat von pflanzlicher Nahrung leben können.

Biosprit aus Gras und Holzschnitzeln?

Erst Ende August hatten Forscher auf der Jahrestagung der Amerikanischen Chemiker-Gesellschaft in Denver Experimente mit Bakterien vorgestellt, die sie aus Panda-Kot gewonnen hatten.

Diese könnten aus Gras und Holzschnitzeln Biosprit produzieren. Sie seien wahrscheinlich sogar besser für diese Produktion geeignet sein als Bakterien, die den Termiten bei der Verdauung helfen, sagte Ashli Brown von der Mississippi State University.

[18.10.2011, 15:31:07]
Dr. Horst Grünwoldt 
Veganer Panda
Ähnliche Verdauungsprobleme als reine Pflanzen-Esser dürften die Gorillas haben. Diese können -wie auch die Pandabären- natürlich nicht aus der langwierigen Grasverdauung mittels Clostridien im rel. kurzem (Fleischfresser-) Darm unmittelbar "Biosprit" produzieren und dann auch noch ausscheiden. Das geht auch nach amerikanischer Verlautbarung bisher wohl nur im Bio-Reaktor Retorte.
Interessant ist aber, daß unter den Hominiden der reine Veganer Gorilla mit seinem Trommelbauch der größte Methan-Produzent ist! Man stelle sich vor, 7 Milliarden Menschen auf der Erde würden sich rein pflanzlich ernähren...
Da hätten die Klima-Unken wohl Anlaß, neue Horror-Szenarien zu erfinden.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt aus Rostock zum Beitrag »

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