Donnerstag, 24. Mai 2012
Ärzte Zeitung online, 26.12.2011

Schluckimpfung bei Pankreaskrebs

Hilft eine Schluckimpfung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs? Das wird jetzt in einer Studie an der Uni Heidelberg geprüft. Betroffenen Patienten wird die Teilnahme angeboten.

Studie zu Schluckimpfung bei Pankreaskrebs

Pankreas im Fokus: Heidelberger Forscher entwickeln eine Schluckimpfung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs.

© Sebastian Schreiter / Springer Verlag

HEIDELBERG (eb). Die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg bietet im Rahmen einer Studie erstmals eine Schluckimpfung zur Therapie bei Krebs an. Teilnehmen können Patienten mit Pankreaskarzinom, die nicht operiert werden können oder bei denen sich bereits Metastasen gebildet haben, teilt die Uniklinik Heidelberg mit.

Die Patienten erhalten während eines zehntägigen stationären Aufenthaltes im Klinisch-Pharmakologischen Studienzentrum des Uniklinikums Heidelberg zusätzlich zur gängigen Chemotherapie vier Anwendungen des experimentellen Impfstoffs VXM01 oder eines Placebopräparats.

In einer abschließenden Untersuchung wird der Erfolg der Behandlung geprüft: "Nach zehn Tagen lässt sich bereits feststellen, ob die Impfung Auswirkung auf die körpereigene Krebsabwehr hat", erklärt Studienleiter Privatdozent Hubertus Schmitz-Winnenthal, Leiter der Sektion für Endokrine Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik, in der Mitteilung.

Von den Patienten werden nach ihrem stationären Aufenthalt bis zu zwei Jahre lang immer wieder Daten erhoben.

Veränderte Bakterien stimulieren das Immunsystem

Der Impfstoff VXM01 soll das körpereigene Immunsystem dazu stimulieren, die Blutgefäße des Tumors anzugreifen und zu zerstören. "In Tierversuchen zeigten entsprechende Impfstoffe eine vielversprechende Wirkung auf verschiedenen Tumorarten", wird Schmitz-Winnenthal zitiert.

"Die Tumore wuchsen langsamer und bildeten weniger Metastasen. Die geimpften Tiere hatten deutlich bessere Überlebenschancen."

Als Impfstoff dienen veränderte, abgeschwächte Bakterien: Sie tragen ein Gen, das für die Produktion des spezifischen Eiweißes sorgt (VEGFR-2); dieses kommt auf den Blutgefäßen des Tumors in großer Zahl vor.

Trägerbakterien sind bereits als Vakzine zugelassen

Kommen Zellen des Immunsystems an der Darmschleimhaut mit den von den Bakterien befallenen Zellen in Kontakt, bekämpfen sie diese als infiziert und potenziell gefährlich. So wird das Immunsystem geprägt, Zellen mit VEGFR-2 als feindlich zu erkennen und zu zerstören.

Die bei VXM01 verwendeten Trägerbakterien seien bereits als Impfstoff zugelassen, gut verträglich und finden häufige Anwendung bei Impfungen gegen Typhusfieber, meldet die Uniklinik Heidelberg.

VXM01 wurde von dem schweizerisch-deutschen Biotechnologie-Unternehmen VAXIMM, einer Ausgründung der Merck KgaA, in Zusammenarbeit mit Schmitz-Winnenthal entwickelt. In Zukunft soll VXM01 auch für die Anwendung bei anderen Krebsarten weiterentwickelt werden.

Infos bei Interesse an Studienteilnahme: Klinisches Studienzentrum Chirurgie, Uniklinik Heidelberg, Chirurgische Klinik, Im Neuenheimer Feld 110, 69120 Heidelberg Tel. 06221 / 56 6986 Fax 06221 / 56 6988, E-Mail: ksc@med.uni-heidelberg.de

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