Mittwoch, 27. Mai 2015
Ärzte Zeitung, 26.09.2012

Pankreatitis

Lipase-Check nicht übertreiben

Pankreasenzyme gehören zu den am häufigsten bestimmten Laborparametern. Meist ist diese Untersuchung sinnlos, und manchmal führt sie zu massiver Überdiagnostik.

Nur bei konkretem Verdacht macht Lipase-Check Sinn

Leber mit Pankreas: Bei akuter Pankreatitis ist die Lipase stark erhöht.

© Springer Verlag

HAMBURG (gvg). "Die Bestimmung der Pankreasenzyme sollte nur dann vom Labor angefordert werden, wenn Verdacht auf eine akute Pankreatitis oder eine Exazerbation einer chronischen Pankreatitis besteht", betont Privatdozentin Andrea Pace vom Friedrich Ebert-Krankenhaus Neumünster.

In solchen Situationen stützt eine mindestens dreifache Erhöhung der Enzyme den Verdacht. Erhöhte Werte ohne klinische Symptome und auch gering erhöhte Pankreasenzyme bei unklaren Symptomen helfen dagegen nicht weiter.

Wie wenig aussagekräftig die Lipase-Erhöhung bei asymptomatischen Patienten ist, hat eine prospektive Studie gezeigt, berichtete Pace bei der DGVS-Jahrestagung.

Bei 8 Prozent von 1756 stationären Patienten ohne typische Pankreatitissymptome waren Lipase und/oder Amylase erhöht. Bei keinem davon fanden sich in weitergehenden Untersuchungen Hinweise auf eine therapiebedürftige Erkrankung.

Im Einzelfall nach Sprue suchen

Wer jede Lipase abklärt, läuft also Gefahr, erhebliche Überdiagnostik zu betreiben. Diese Situation sei ganz anders bei inzidentellen Erhöhungen der Transaminasen. Hier fänden sich nämlich tatsächlich bei vielen Patienten relevante Leberveränderungen, so Pace.

Die Mehrheit der symptomfreien Patienten mit erhöhter Lipase dürften sich am oberen Rand der Normalverteilung befinden. Einige wenige nichtpankreatische Erkrankungen können ebenfalls mit einer Lipase-Erhöhung einher gehen.

Lohnen könnte sich im Einzelfall, nach Sprue zu suchen, sagte Pace. Bei unbehandelten Sprue-Patienten habe etwa jeder vierte eine leicht erhöhte Lipase: "Das bildet sich unter glutenfreier Diät wieder zurück."

Auch 10 bis 25 Prozent der Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zeigen zumindest sporadisch erhöhte Lipasewerte.

Zum Screening auf Pankreaskarzinom tauge die Lipase dagegen schon deswegen nicht, weil die Mehrheit der Pankreaskarzinome duktalen Ursprungs sind, die Lipase dagegen aus den Azinuszellen stammt.

|
Topics
Schlagworte
Magen-Darmkrankheiten (1897)
Innere Medizin (31725)
Organisationen
DGVS (171)
Wirkstoffe
Amylase (13)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Kabinett billigt E-Health-Gesetz: Entwurf mit Lücken

Das Bundeskabinett hat den Entwurf für das E-Health-Gesetz verabschiedet. Doch bei telemedizinischen Leistungen dreht sich die Diskussion weiter im Kreis - etwa bei der Fernüberwachung von Schrittmachern und Defibrillatoren. Anders in den USA. mehr »

Neues Therapiekonzept bei Krebs: Haare bleiben trotz Chemotherapie

Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover haben ein Verfahren vorgestellt, wie sich der Haarverlust bei Krebspatienten während der Chemotherapie vermindern lässt. mehr »

Vorsicht vor FSME: Drei neue Risiko-Landkreise

In Deutschland ist die Zahl der Risikogebiete für die von Zecken übertragene FSME gestiegen. Das RKI weist drei Kreise mehr aus als noch 2014. In insgesamt 145 Landkreisen wird Bewohnern und Besuchern zur FSME-Impfung geraten. mehr »