Sonntag, 20. April 2014
Ärzte Zeitung, 26.09.2012

Pankreatitis

Lipase-Check nicht übertreiben

Pankreasenzyme gehören zu den am häufigsten bestimmten Laborparametern. Meist ist diese Untersuchung sinnlos, und manchmal führt sie zu massiver Überdiagnostik.

Nur bei konkretem Verdacht macht Lipase-Check Sinn

Leber mit Pankreas: Bei akuter Pankreatitis ist die Lipase stark erhöht.

© Springer Verlag

HAMBURG (gvg). "Die Bestimmung der Pankreasenzyme sollte nur dann vom Labor angefordert werden, wenn Verdacht auf eine akute Pankreatitis oder eine Exazerbation einer chronischen Pankreatitis besteht", betont Privatdozentin Andrea Pace vom Friedrich Ebert-Krankenhaus Neumünster.

In solchen Situationen stützt eine mindestens dreifache Erhöhung der Enzyme den Verdacht. Erhöhte Werte ohne klinische Symptome und auch gering erhöhte Pankreasenzyme bei unklaren Symptomen helfen dagegen nicht weiter.

Wie wenig aussagekräftig die Lipase-Erhöhung bei asymptomatischen Patienten ist, hat eine prospektive Studie gezeigt, berichtete Pace bei der DGVS-Jahrestagung.

Bei 8 Prozent von 1756 stationären Patienten ohne typische Pankreatitissymptome waren Lipase und/oder Amylase erhöht. Bei keinem davon fanden sich in weitergehenden Untersuchungen Hinweise auf eine therapiebedürftige Erkrankung.

Im Einzelfall nach Sprue suchen

Wer jede Lipase abklärt, läuft also Gefahr, erhebliche Überdiagnostik zu betreiben. Diese Situation sei ganz anders bei inzidentellen Erhöhungen der Transaminasen. Hier fänden sich nämlich tatsächlich bei vielen Patienten relevante Leberveränderungen, so Pace.

Die Mehrheit der symptomfreien Patienten mit erhöhter Lipase dürften sich am oberen Rand der Normalverteilung befinden. Einige wenige nichtpankreatische Erkrankungen können ebenfalls mit einer Lipase-Erhöhung einher gehen.

Lohnen könnte sich im Einzelfall, nach Sprue zu suchen, sagte Pace. Bei unbehandelten Sprue-Patienten habe etwa jeder vierte eine leicht erhöhte Lipase: "Das bildet sich unter glutenfreier Diät wieder zurück."

Auch 10 bis 25 Prozent der Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zeigen zumindest sporadisch erhöhte Lipasewerte.

Zum Screening auf Pankreaskarzinom tauge die Lipase dagegen schon deswegen nicht, weil die Mehrheit der Pankreaskarzinome duktalen Ursprungs sind, die Lipase dagegen aus den Azinuszellen stammt.

|
Topics
Schlagworte
Magen-Darmkrankheiten (1724)
Innere Medizin (30138)
Organisationen
DGVS (157)
Wirkstoffe
Amylase (10)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Neuer Wirkstoff: Ein kleines Molekül stoppt Masern

Ein neues Molekül könnte bald Masern bei Ungeimpften stoppen. Zumindest bei Tieren klappt das ganz gut - mit einer Tablette und bei einem Masern-ähnlichen Virus. mehr »

Warnung: Gefälschte Arzneimittel im Umlauf

Mehrere Chargen hochpreisiger Biologicals sind in Italien gestohlen worden. Jetzt tauchen sie mit gefälschten Zertifikaten in Deutschland auf. Das BfArM warnt: Die Präparate könnten gestreckt oder verunreinigt sein. mehr »

Westafrika: Ebola-Ausbruch geht auf Kind zurück

Über 200 Erkrankte und 121 Tote: Der Ebola-Ausbruch in Westafrika wird wohl langsam eingedämmt. Eine erste Analyse zeigt jetzt: Ein Kind hat die Erkrankungswelle verursacht. Und: Das Virus ist parallel entstanden. Außerdem haben die Forscher den Weg des Ausbruchs nachgezeichnet. mehr »