Ärzte Zeitung, 01.10.2012

Darmbakterien

Wichtig für das Immunsystem

Mikroorganismen im Darm spielen eine wichtige Rolle im Körper, weil sie vielfältige Funktionen haben - nicht nur für die Verdauung.

Von Maren Schenk

EVIAN. Bakterien im Verdauungssystem spielen eine wichtige Rolle im Körper.

Auf dem 1. Weltgipfel "Gut Microbiota for Health" in Evian in Frankreich wurden sie sogar als eigenes Organ bezeichnet, da sie vielfältige Funktionen, nicht nur für die Verdauung, haben.

Mindestens 1014 Mikroorganismen leben symbiotisch im Darm. Zusammen wiegen sie rund 1,5 bis 2 Kilogramm.

"Mehr als 1000 Bakterienspezies wurden bereits identifiziert, insgesamt bestehen sie aus zehnmal mehr Zellen als der menschliche Körper", wird Professor James Versalovic, Baylor College of Medicine, Houston, USA, im "Summit Report" zitiert.

Das Metagenom aller Mikroben im Verdauungstrakt, das sogenannte Mikrobiom, enthält mehr Gene als der menschliche Körper (mehr als 3,3 Millionen vs. rund 23.000).

Nicht alle Bakterienspezies schädlich

Für das Immunsystem ist der Verdauungstrakt die wichtigste Körperregion, dort finden sich 70 Prozent aller Immunzellen.

Epithel- und Immunzellen kommunizieren mit Darmbakterien, diese untereinander - dieses komplexe Netzwerk von Signalwegen ist wesentlich für die Aktivierung von Abwehrmechanismen gegen pathogene Erreger.

Nicht alle Darm-Bakterienspezies seien schädlich, wird Professor Balfour Sartor, University of North Carolina, USA, zitiert: Einige Spezies seien neutral, andere sogar nützlich. So inhibieren manche Bakterien das Wachstum pathogener Keime, bauen deren Nährstoffe ab oder stimulieren Immunantworten.

Darmbakterien haben auch eine Schlüsselrolle, indem sie das Immunsystem trainieren, zwischen "gut" und "böse" zu unterscheiden.

Bereits in frühester Kindheit beginnt diese Kooperation beider Systeme; so wird eine orale Toleranz aufgebaut. Gelingt dies nicht, können Allergien und entzündliche Krankheiten die Folge sein.

Mannigfaltige Zusammensetzung der Darmbakterien

Bei bestimmten Fällen von M. Crohn induziert ein Defekt des Gens NOD2 eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Bakterienbestandteile.

"Wir glauben, dass Morbus Crohn das Produkt einer Interaktion von genetischer Prädisposition, Umweltfaktoren wie Ernährung oder Antibiotikabehandlung und bestimmten Bakterien ist, die Antigene präsentieren, die zu einer Immunantwort und schließlich zur Krankheit führen", so Sartor.

Bei gesunden Menschen ist die Zusammensetzung der Bakterien im Darm sehr mannigfaltig - mit vielen schützenden und wenig pathogenen Keimen.

Bei M. Crohn oder Colitis ulcerosa ist das Verhältnis dagegen umgekehrt. Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge könnte nach Aussage Sartors zu besseren und weniger aggressiven Therapien führen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »