Ärzte Zeitung, 05.12.2012

Kommentar zur Grapefruit

Vermeidbare Katastrophen

Von Beate Schumacher

Das Problem ist altbekannt: Grapefruit(-saft) kann die Bioverfügbarkeit vieler Medikamente erhöhen. Dass dieselben Pharmakologen, die die Interaktion vor gut 20 Jahren erstmals beschrieben haben, jetzt erneut warnen, hat einen guten Grund.

Die Zahl der Medikamente, bei denen die Wechselwirkung mit Grapefruit zu gravierenden Nebenwirkungen führen kann, hat sich in den letzten vier Jahren von 17 auf 43 erhöht.

Im schlimmsten Fall wird durch die Wechselwirkung ein Heilmittel zum tödlichen Gift. Wie bei jenem 29-Jährigen, der gegen seinen Heuschnupfen Terfenadin schluckte und dazu fleißig Grapefruitsaft trank - bis das Antihistaminikum 30-fach überdosiert war.

Sollen Patienten, die kritische Medikamente einnehmen, vollständig auf Grapefruit(-saft) verzichten? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Doch angesichts der Dosissteigerung, die teilweise noch viele Stunden nach dem Trinken eines einzigen Glases Grapefruitsaft festgestellt wird, spricht vieles dafür.

Das setzt allerdings voraus, dass Ärzte an diese Gefahr denken und dass sie ihre Patienten besser darüber aufklären. Denn aus den schweren Zwischenfällen lässt sich auch dies lernen: Das Problem ist zwar altbekannt, allbekannt ist es deswegen noch nicht.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Grapefruit: Saft mit Wechselwirkung

[05.12.2012, 23:04:53]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Guter" Saft gegen "böse" Chemie?
Die offenbar verbreitete Gewohnheit, ausgerechnet Medikamente mit reichlich Grapefruitsaft statt mit überall verfügbarem Wasser einzunehmen, bleibt unerklärlich rätselhaft. Patienten, die das Wort "Grapefruit" oft nur mit Hilfe eines Telefonjokers buchstabieren könnten oder den Begriff "Pampelmuse" nicht mehr kennen, wollen vermutlich gegen die "bitteren Pillen" etwas besonders Gesundes, Ausgefallenes tun.

Vielleicht erklärt die Inbrunst, mit der zahllose Flugzeugpassagiere blutroten Tomatensaft mit Pfeffer und Salz als "kultische" Verrichtung auf Reiseflughöhe konsumieren, dieses Phänomen. Mit magischem Tun und Übersprunghandlungen, die im normalen Alltag geradezu abwegig erscheinen, wird der ungewohnt ängstigenden Ausnahmesituation, der Flugphobie oder dem potentiell nebenwirkungsträchtigen Tablettenschluck begegnet.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM
z. Zt. Kaprun/A und schwierigen Schnee- und Sichtverhältnissen
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