Freitag, 19. Dezember 2014
Ärzte Zeitung, 13.12.2012

Häufiges Bauchweh

Ist es eine chronische Appendizitis?

Chronische Appendizitiden werden wegen der atypischen Symptomatik leicht verkannt - so wie im Fall einer jungen Frau, die über zwei Jahre hinweg immer wieder an unklaren Bauchschmerzen litt.

Von Beate Schumacher

roter-bauch-A.jpg

Immer wieder Bauchschmerzepisoden: Eine Appendizitis kann spontan verschwinden und wieder auftreten.

© Martin Dimitrov/iStockphoto

HERSHEY. Die 28-Jährige stellte sich wegen seit drei Tagen bestehender zunehmender Bauchschmerzen im rechten unteren Quadranten vor.

Begonnen hatten die Beschwerden mit einem stechenden Schmerz im rechten Abdomen, der in den Rücken ausstrahlte.

Die Frau erinnerte sich an kein auslösendes Ereignis und verneinte Symptome wie Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Beschwerden beim Wasserlassen, Blut im Urin und vaginalen Ausfluss.

Bei der weiteren Befragung stellte sich heraus, dass die Patientin in den letzten zwei Jahren bereits sechs ähnliche Bauchschmerz-Episoden durchgemacht hatte.

Mehrere ärztliche Untersuchungen waren ergebnislos geblieben, nur einmal war wegen des Verdachts auf einen Harnwegsinfekt antibiotisch behandelt worden. In allen Fällen waren die Schmerzen nach drei bis vier Tagen wieder verschwunden (The American Journal of Medicine 2012, online 21. November).

Bei der aktuellen Vorstellung war die Patientin fieberfrei, der Bauch war weich ohne peritoneale Zeichen und ohne tastbare Raumforderung, es bestand lediglich eine leichte Druckempfindlichkeit im rechten unteren Quadranten.

Das Labor ergab eine stark erhöhte Leukozytenzahl (61.000 / Mikroliter) und eine beschleunigte Blutsenkung (30 mm / h). Ein transvaginaler Ultraschall war unauffällig.

Appendizitis in die Differenzialdiagnostik einbeziehen

Wegen des wiederholten Auftretens der Symptome wurde ein kontrastmittelverstärktes Computertomogramm angefertigt. Dabei zeigte sich eine vergrößerte Appendix ohne Hinweise auf einen Abszess oder eine Flüssigkeitsansammlung.

Die nachfolgend durchgeführte laparoskopische Appendektomie förderte einen fibrotischen und vergrößerten Wurmfortsatz mit Verwachsungen zutage - und bestätigte damit den Verdacht auf eine chronische Entzündung. Die Patientin war nach dem Eingriff dauerhaft beschwerdefrei.

"Diese Kasuistik soll Ärzte daran erinnern, dass eine Appendizitis spontan verschwinden und wieder auftreten kann", schreiben die Autoren um Dr. Shenil Shah vom Milton S. Hershey Medical Center in Pennsylvania.

Eine Appendizitis müsse in die differenzialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden, wenn Patienten immer wieder von Bauchschmerzen im rechten unteren Quadranten heimgesucht werden.

Shah et al. schätzen, dass etwa 1,5 Prozent aller Appendizitiden einen chronischen Verlauf nehmen. Als Ursache wird eine partielle und vorübergehende Verlegung der Appendix, etwa durch Kotsteine, angenommen.

Weil die Symptome meist atypisch seien, würden sie besonders bei sexuell aktiven Frauen oft fehlinterpretiert. Bei starkem klinischem Verdacht empfehlen Shah et al. die Abklärung per CT und im Fall der Bestätigung die zeitnahe Op.

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

64 Kassen im Check: Welche Kasse günstiger und welche teurer wird

Der Beitragssatz für 2015 variiert bei den Krankenkassen stark. Bislang gibt es eine Kasse, die teurer wird. Wie hoch der Beitragssatz Ihrer Krankenkasse sein wird, sehen Sie in unserem Kassen-Check. mehr »

AMNOG: Zusatznutzen bei fast jeder zweiten neuen Arznei

Vier Jahre AMNOG - eine Zwischenbilanz: Bei etwas mehr als der Hälfte der Arzneiinnovationen ist ein Zusatznutzen festgestellt worden, berichtet der GBA. Die frühe Nutzenbewertung macht den Pharmaherstellern aber zu schaffen: Sie klagen über einen hohen Forschungsaufwand, freuen sich aber über ein Rekordjahr an Innovationen. mehr »

Geriatrie-Ziffer: Für Abrechnung Arzt-Patienten-Kontakt erforderlich

Das geriatrische Basisassessment (EBM-Nr. 03360) ist ab 1. Januar 2015 nicht mehr ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt abrechenbar. Das hat der Arbeitsausschuss des Bewertungsausschusses beschlossen. mehr »