Ärzte Zeitung, 20.05.2015

Vor Koloskopie

Darmreinigung besser auf zwei Tage verteilen

Wird die Darmreinigung vor einer Koloskopie auf zwei Tage aufgeteilt, bringt das einer Studie zufolge zwei Vorteile: Der Darm wird sauberer - und die Patienten sind zufriedener.

Von Elke Oberhofer

Darmreinigung auf zwei Tage verteilen

Koloskopie: Der Patient kann die erste Dosis der Reinigungslösung am Vortag trinken, die zweite am Koloskopietag.

© Klaus Rose

MONTREAL. Vor jeder Koloskopie ist eine Darmreinigung unerlässlich; nur auf einer sauberen Darmschleimhaut lassen sich Polypen, Adenome oder Karzinome zuverlässig entdecken.

Für die Reinigung steht eine Vielzahl von Präparaten zur Verfügung. Am häufigsten werden dabei Polyethylen- Glykol-(PEG)- und Natriumphosphat-(NaP)-Lösungen eingesetzt.

Daneben gibt es jedoch noch zahlreiche weitere Einzelsubstanzen wie Pico- oder Kaliumsulfat sowie Kombinationsregime.

Während NaP-Lösungen in Deutschland ausschließlich für die auf zwei Zeitpunkte verteilte Einnahme zugelassen sind, können andere auch auf einmal verabreicht werden. Eine aktuelle Metaanalyse hat nun das Reinigungsergebnis der verschiedenen Strategien untersucht (Gastroenterology 2015, online 8. April).

Insgesamt flossen 47 Studien mit 13.487 Teilnehmern in die Bewertung ein: 38 Studien hatten ein Splitting-Regime - dabei wird die erste Dosis des jeweiligen Produkts am Vortag, die zweite am Morgen des Koloskopietags verabreicht - mit der vollständigen Reinigung am Vortag verglichen (n = 10.803).

Durch das Splitting ließ sich die Rate erfolgreicher Darmvorbereitungen gegenüber einteiliger Einnahme insgesamt mehr als verdoppeln (OR 2,51). Auch die Bereitschaft der Patienten, eine entsprechende Prozedur nochmals über sich ergehen zu lassen, war bei zweiteiliger Gabe deutlich höher (OR 1,90; n = 4377).

Keine Vor- oder Nachteile irgendeines Regimes

Eine Überlegenheit des Splittings fanden die Forscher um Myriam Martel von der McGill University in Montreal auch für jedes der untersuchten Präparate: Bei der PEG-Lösung lag das Quotenverhältnis für eine erfolgreiche Darmreinigung bei 2,60 zugunsten der zweiteiligen Gabe, beim Picosulfat bei 3,54 und bei NaPPräparaten sogar bei 9,34.

Zwar führte ein höher dosiertes Splitting-Regime mit insgesamt mehr als 3 Litern PEG-Lösung zu einer höheren Rate akzeptabler Reinigungsergebnisse (OR 1,89); allerdings war dieses Vorgehen mit einer deutlich geringeren Akzeptanz durch die Patienten verbunden (OR 0,20 bei Vergleich mit einem Regime < 3 Liter).

Martel und Kollegen stellten auch verschiedene Präparate im Direktvergleich gegenüber, jeweils für das entsprechende Splitting-Regime: Dabei schnitt das PEG-Präparat in puncto Reinigung deutlich besser ab als Picosulfat mit Mannitol (OR 6,32).

Bei allen andren untersuchten Paarungen (PEG versus NaP, PEG versus orales Natriumsulfat, NaP versus Picosulfat) ergab sich kein Unterschied.

Wie Martel und Kollegen betonen, zeigten sich im Hinblick auf die Erkennung von Polypen oder Adenomen keine signifikanten Vor- oder Nachteile irgendeines Regimes. Allerdings hatte man für diese Fragestellung lediglich zwei Studien auswerten können.

Die Überlegenheit des Splitting-Regimes lässt sich den Forschern zufolge damit erklären, dass sich bei zweiteiliger Gabe die Zeit zwischen der Einnahme der letzten Dosis und der Koloskopie verkürzt. In den meisten Studien wurde das Präparat zwischen 5 und 6 Uhr morgens eingenommen.

Auf die Wahl des Produkts kommt es nach Martel und Kollegen im Einzelfall durchaus an. So sei für Picosulfat bekannt, dass es in Interaktion mit anderen Medikamenten zu einer Elektrolytverschiebung führen könne.

Sowohl Picosulfat als auch orales Natriumsulfat könnten eine Dehydrierung bewirken. Für NaP-Produkte liegt eine Warnung der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) vor. Diese betrifft eine erhöhte Nephrotoxizität.

Erster Liter am Vorabend, zweiter am nächsten Morgen

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hat 2007 ein Positionspapier zur Darmreinigung vor Koloskopie herausgegeben.

Darin wird generell der Splitting-Dosierung gegenüber dem einteiligen Regime der Vorzug gegeben und auf die Überlegenheit einer PEG-Lösung gegenüber NaP-Lösungen im Hinblick auf das Nebenwirkungsspektrum hingewiesen.

Die früher erforderliche hohe Trinkmenge bei PEG-Produkten ist nach Ansicht der Experten heute kein Argument mehr: Durch die Einführung der Kombination aus PEG-Lösung plus Vitamin C konnte die Trinkmenge von insgesamt vier auf zwei Liter reduziert werden; in einer prospektiven Studie wurde die Nicht-Unterlegenheit gegenüber der Vier-Liter-Lösung demonstriert.

Die DGVS rät, den ersten Liter am Vorabend der Untersuchung und den zweiten am nächsten Morgen zu trinken. Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, sollten diese, wenn medizinisch vertretbar, einige Tage im Voraus absetzen.

Bis vier Tage vor der Untersuchung sollte zudem auf Nahrungsmittel wie Vollkornbrot, Müsli, Trauben, Tomaten, Nüsse, Mohn oder Kiwi verzichtet werden, um zu vermeiden, dass Kerne das Endoskop verstopfen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »