Ärzte Zeitung, 13.08.2015

CT bei Bauchweh

Mehr als reine Diagnostik?

Bauchschmerzpatienten, die in der Notaufnahme eine CT erhalten haben, tauchen danach seltener wieder in der Klinik auf. US-Mediziner vermuten, dass die Zusatzuntersuchung einen beruhigenden Effekt sowohl auf die Patienten als auch auf deren behandelnde Ärzte hat.

Von Elke Oberhofer

 Mehr als reine Diagnostik?

Vor der CT: Ein negativer Befund beruhigt die Patienten. Wiedervorstellungen wegen ähnlicher Beschwerden sind dann seltener.

© Tyler Olson / fotolia.com

MADISON, WISCONSIN. Dass ein kostspieliges und durch Röntgenstrahlung belastetes Untersuchungsverfahren wie die Computertomografie (CT) nicht aus dem alleinigen Grund eingesetzt werden sollte, Patienten oder deren Behandler zu beruhigen, versteht sich von selbst.

Daten aus der Notaufnahme einer großen US-Klinik haben jedoch Hinweise geliefert, dass genau dieser Grund bei vielen abdominellem Notfällen von Bedeutung zu sein scheint.

Wie das Team um Dr. Brian W. Patterson, Notfallmediziner an der University of Wisconsin, berichtet, war die Bildgebung mittels CT bei Patienten, die sich mit akuten Schmerzen im Bauchraum in der Notaufnahme einer großen Chicagoer Klinik vorgestellt hatten, mit einer deutlich geringeren Rate an Wiedervorstellungen innerhalb eines Monats verknüpft (Odds Ratio, OR = 0,69; 95% Konfidenzintervall 0,55-0,87) (Acad Emerg Med 2015; 22: 803-10).

Mehrere Faktoren korrelierten

In die retrospektive Studie eingeschlossen waren 3928 erwachsene Notfallpatienten mit dem Kardinalsymptom "abdominelle Schmerzen", die man nach der Untersuchung wieder nach Hause geschickt hatte.

Bei 42,3 Prozent von ihnen war eine CT zum Einsatz gekommen. Nachbeobachtet wurden die Patienten einen Monat lang. In diesem Zeitraum tauchten 487 (12,4 Prozent) zum zweiten Mal in derselben Notaufnahme auf. Von diesen mussten 40 Prozent stationär aufgenommen werden; Todesfälle gab es in der Studie keine.

Nach Angaben von Patterson und seinen Kollegen korrelierten mehrere Faktoren zum Zeitpunkt der Erstaufnahme signifikant mit der Wahrscheinlichkeit einer Wiedervorstellung: Neben der CT-Untersuchung waren dies männliches Geschlecht (OR = 1,34) und höheres Alter (OR = 1,01), höhere Schmerz-Scores (OR = 1,13), erhöhte Herzfrequenz (OR = 1,42), Anämie (OR = 1,42) und niedrige Natriumwerte (OR = 1,56).

Nach Herausrechnen falsch-positiver Befunde blieben davon nur die CT-Untersuchung negativ und die Schmerzstärke bei Erstaufnahme positiv mit einem erneuten Besuch assoziiert.

Weder Blutwerte (Leukozyten) noch Blutdruck oder Körpertemperatur ließen dagegen irgendeinen Zusammenhang mit der Wiedervorstellung erkennen.

Keinesfalls eine Aufforderung zu mehr CTs!

Es sei durchaus möglich, dass die CT in manchen Fällen zu einer verbesserten Versorgung beitrage, so die Forscher.

Für die Patienten könne sie bei negativem Befund eine Absicherung sein, dass kein lebensbedrohliches Krankheitsbild vorliege, für niedergelassene Ärzte ein Argument gegen eine erneute notfallmäßige Zuweisung.

Dennoch wollen Patterson und sein Team die Ergebnisse keinesfalls als Aufforderung für einen verstärkten Einsatz der CT-Bildgebung verstanden wissen.

Unnötige CTs zu vermeiden sei ein wichtiges Ziel, betonen die Notfallmediziner, allein schon aufgrund der Strahlenbelastung und der Notwendigkeit der Kontrastmittelapplikation.

In zukünftigen Studien müsse man sich gezielt mit der Frage auseinandersetzen, warum Patienten nach Entlassung aus der Notaufnahme erneut Hilfe beanspruchen und inwieweit die CT-Untersuchung dabei eine Rolle spielt, fordern die Experten.

Ob es sich hierbei um einen echten Zusammenhang handelt oder die CT nur einen Marker für eine "schwere Erkrankung" darstellt, die zur Folge hat, dass Patienten entweder gleich einbehalten oder ambulant weiter abgeklärt werden - in jedem Fall aber sich nicht selbst überlassen bleiben -, lässt sich auf der Grundlage der retrospektiv erhobenen Daten nicht klären.

[13.08.2015, 17:09:18]
Dr. Henning Fischer 
das therapeutische EKG

ist ebenfalls sehr wirksam (und billig = null Punkte)

und in der universitären Medizin weitgehend unbekannt
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