Ärzte Zeitung, 12.05.2004

Coxibe bei M. Crohn mit Arthropathie von Vorteil

Weniger gastrointestinale Beschwerden als von NSAR bekannt / Ergebnis von klinischer Studie

WIESBADEN (mal). Haben Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung begleitende Arthropathien, die zeitlich unabhängig von den Schüben der Darmkrankheit auftreten, kann ihnen mit nicht-steroidalen Antirheumatika geholfen werden (NSAR). Diese Mittel werden aber zurückhaltend angewandt, da nicht ausgeschlossen wird, daß sie selbst Krankheitsschübe auslösen oder verstärken können. Coxibe könnten hier von Vorteil sein.

Darauf hat Professor Harald Vogelsang von der Universitätsklinik in Wien bei einem Symposium der Falk Foundation in Wiesbaden hingewiesen. In einer größeren Fall-Kontroll-Studie Anfang der 90er-Jahre sei etwa beobachtet worden, daß Patienten mit einer Kolitis bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (200 Patienten), die als Notfall stationär aufgenommen werden mußten, in den Tagen zuvor deutlich häufiger NSAR eingenommen hatten als Patienten mit einer Kolitis anderer Ursache (585 Patienten), erinnerte Vogelsang.

Ein neuer Krankheitsschub trete bei einem Großteil der Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa innerhalb einer Woche nach Start einer Behandlung mit NSAR auf.

Von Coxiben sei bekannt, daß sie im Magen wie im Darm weniger Läsionen verursachten als NSAR, so der österreichische Gastroenterologe.

Gemeinsam mit seinen Kollegen hat Vogelsang diese Alternative zu NSAR bei insgesamt 32 Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung und peripherer Arthropathie getestet. Dabei hatten 47 Prozent der Studienteilnehmer, die für 20 Tage mit 12,5 mg und später mit 25 mg Rofecoxib behandelt wurden, über frühere Krankheitsschübe im Zusammenhang mit einer NSAR-Therapie berichtet.

Wie Vogelsang berichtet hat, hatten nur drei der mit dem Coxib behandelten Patienten gastrointestinale Beschwerden, die Anlaß zum Studienabbruch waren. "Das ist deutlich seltener als es von konventionellen NSAR bekannt ist", so Vogelsang.

Die Schmerzen wurden gemildert und die Beweglichkeit verbessert. Aufgrund dieser guten Erfahrung, die sich auch außerhalb der Studie bestätigt hätten, plädiert Vogelsang für Coxibe statt NSAR. Reichten diese Mittel nicht aus, komme Methotrexat in Frage.

Träten periphere Arthropathien bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa in zeitlicher Abhängigkeit mit einem Krankkheitsschub auf, gelinge es oft, durch die gegen die Darmentzündung gerichtete Schub-Therapie, etwa mit Sulfasalazin, Steroiden oder Immunsuppressiva, auch die Arthropathie wieder in den Griff zu bekommen, so Vogelsang.

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