Ärzte Zeitung, 13.10.2005

Urso-Deoxycholsäure beugt gastrointestinalen Tumoren vor

Patienten mit primär-sklerosierender Cholangitis profitieren von langfristiger Therapie

BERLIN (nsi). Mit Urso-Deoxycholsäure läßt sich bei Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung und gleichzeitiger primär-sklerosierender Cholangitis (PSC) gastrointestinalen Tumoren vorbeugen. Gallengangstumoren kommen bei PSC-Patienten hundertmal so häufig vor wie in der übrigen Bevölkerung, Pankreas- und Kolon-Ca zehn Mal häufiger.

Typischer ERCP-Befund bei primär-sklerosierender Cholangitis: Gang-Stenosen und Aufweitungen im Wechsel. Foto: Falk Foundation

Haben Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung deutlich erhöhte Werte für die Enzyme gamma-GT und die alkalische Phosphatase, aber nur gering erhöhte Transaminase-Werte - und eventuell auch eine Hyperbilirubinämie - liegt der Verdacht auf eine primär sklerosierende Cholangitis (PSC) nahe. Die Diagnose kann nur mit einer endoskopisch retrograden Cholangio-Pankreatographie (ERCP) gesichert werden.

"Die Prophylaxe kolorektaler und hepatobiliärer Karzinome bei Patienten mit PSC ist einer der wichtigsten Gründe, warum Patienten so früh wie möglich Urso-Deoxycholsäure einnehmen sollten", hat Professor Adolf Stiehl von der Universitätsklinik Heidelberg bei einem Symposium der Falk Foundation in Berlin gesagt.

Neuere Studiendaten belegten, daß unter einer Therapie mit Urso-Deoxycholsäure das Risiko für hepatobiliäre und kolorektale Tumoren um mindestens 50 Prozent gesenkt werde, sagte Stiehl. Die oral applizierte Gallensäure gelange zu 60 Prozent ins Kolon und habe eine antineoplastische Wirkung. Auch könne Urso-Deoxycholsäure die laborchemischen Parameter und möglicherweise den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.

Je länger die PSC besteht, desto höher sei das Risiko für dominante Stenosen, sagte der Gastroenterologe. Eigene Studien hätten ergeben, daß mehr als die Hälfte dieser Patienten auch eine bakterielle Cholangitis hätten, meist durch Enterobakterien verursacht.

Zu erwägen sei deshalb, nicht nur um den Zeitpunkt der Dilatation der Stenose mit ERCP herum ein Antibiotikum zu geben, sondern prophylaktisch über einen längeren Zeitraum zusammen mit Urso-Deoxycholsäure (etwa Ursofalk®). Eine Option unter den Antibiotika sei Metronidazol.

"Patienten mit PSC und dominanter Stenose sollten mindestens ein Mal pro Jahr eine Ultraschalluntersuchung erhalten", so Stiehl. Im Durchschnitt benötigten langjährig Kranke pro Jahr eine endoskopische Dilatation. Bei engmaschiger Beobachtung und rechtzeitiger Behandlung lebe mindestens die Hälfte nach zehn Jahren noch ohne Lebertransplantation.

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