Ärzte Zeitung, 05.12.2005

Infliximab bald zur Therapie auch bei Colitis ulcerosa?

Neue Studiendaten

MÜNCHEN (bkr). Bei Patienten mit Morbus Crohn ist eine Erhaltungstherapie mit Infliximab einer On-demand-Therapie mit diesem Wirkstoff überlegen. Weitere Studienergebnisse belegen die Wirksamkeit des Biologicals auch bei schwerer Colitis ulcerosa.

Die Dauertherapie vor allem bei Patienten mit schweren Verläufen eines Morbus Crohn liege noch immer im Argen, sagte Professor Paul Rutgeerts aus Leuven in Belgien. Gerade die immer noch zu häufig verordnete Langzeittherapie mit Steroiden habe oft ein negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis, so Rutgeerts beim 4. Münchener Symposium über chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

Nicht nur die bekannten unerwünschten Effekte wie Osteoporose, Cushing-Syndrom oder Katarakt seien dabei ein Problem. Auch die Mortalität und die Rate schwerer Infektionen sei erhöht, erinnerte Rutgeerts bei der vom Unternehmen Essex unterstützten Veranstaltung.

Etabliert zum Remissionserhalt bei Morbus Crohn ist Azathioprin. Aber nicht jeder Patient spricht darauf an. Eine Alternative könnte die regelmäßige Infusionsbehandlung mit 5 mg/kg Infliximab (Remicade®) alle acht Wochen bieten. Das legen die Ergebnisse der ACCENT I-Studie mit Patienten mit schwerem Morbus Crohn nahe.

In der Studie war die Erhaltungstherapie mit Infliximab der Infliximab-Bedarfstherapie überlegen hinsichtlich der Aufrechterhaltung des klinischen Ansprechens, der Remissionsrate und der Rate an Klinikeinweisungen. Auch konnten Glukokortikoide unter der Erhaltungstherapie rascher abgesetzt und eher ein unauffälliger Mukosa-Befund erzielt werden.

Eine neue Therapieoption sei Infliximab auch für Patienten mit schwerer Colitis ulcerosa, so Rutgeerts. Zwei neue Studien belegten, daß der TNF-alpha-Blocker (5 mg/kg in den Wochen 0, 2 und 6, dann in achtwöchigen Intervallen) bei Patienten mit unzureichenden Therapieerfolgen unter Aminosalicylaten, Steroiden und Azathioprin rasche klinische Remissionen induziert.

Ein unauffälliger Mukosa-Befund in der achten Therapiewoche sei dabei ein guter Prädiktor für das klinische Ansprechen, so Rutgeerts. Die Therapie sei insgesamt gut vertragen worden, bisher unbekannte unerwünschte Effekte seien nicht aufgetreten. Die Zulassung von Infliximab zur Therapie bei schwerer Colitis ulcerosa sei beantragt.

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