Ärzte Zeitung, 26.09.2008

Therapie bei Morbus Crohn

Leitlinien zur Crohn-Therapie überarbeitet

Schubschwere und Ausdehnung der Entzündung sind bei Morbus Crohn - auch in aktuellen Leitlinien - maßgeblich für die Therapie.

Von Christina Ott

Kann bei MC-Patienten mit einer topischen Therapie keine Remission erreicht werden, kommen systemische Steroide zum Einsatz.

Foto: imago / Paul v. Stroheim

Auch wenn Ätiologie und Pathogenese des Morbus Crohn (MC) nach wie vor nicht geklärt sind, sind klinische Forscher der Erkrankung vor allem mit neuen Technologien zur DNA-Untersuchung auf der Spur.

Dabei zeigt sich Erstaunliches: Wurde bisher davon ausgegangen, dass es sich bei dieser chronisch entzündlichen Darmerkrankung primär um eine Autoimmunerkrankung handelt, so wird sich diese These wohl nicht mehr lange halten können. Denn in letzter Zeit sind auch Krankheitsgene entdeckt worden, die nichts mit Autoimmunität zu tun haben. Erkenntnisse, die für die Entwicklung neuer Therapieverfahren von großer Bedeutung sind.

Bis es aber soweit ist, bleiben antientzündlich und immunsuppressiv wirksame Mittel die Grundlage der Therapie. Ihre Anwendung richtet sich auch in den kürzlich aktualisierten Leitlinien der DGVS und des Kompetenznetzwerkes CED* weiterhin danach, welche Darmabschnitte betroffen sind und wie ausgeprägt die Entzündung ist:

  • So wird bei akutem MC mit Ileozökalbefall topisches Budesonid empfohlen. Die übliche Tagesdosis beträgt 9 mg Budesonid. Eine enterale Ernährungstherapie kann ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Die therapeutische Wirksamkeit von Mesalazin (5-ASA, 5-Aminosalizylsäure) wird als begrenzt angesehen.

Bei hoher Entzündungsaktivität sollten systemisch-wirksame Steroide eingesetzt werden. Üblich ist 1 mg / kg KG Prednisolonäquivalent pro Tag. Bei unzureichendem Ansprechen sollte zusätzlich Azathioprin bzw. 6-Mercaptopurin / 6-MP (2,5 mg bzw. 1,5 mg / kg KG pro Tag) eingesetzt werden. Wird die Therapie nicht vertragen oder treten Nebenwirkungen auf, wird Methotrexat 25 mg empfohlen.

Sobald eine Remission erreicht ist, sollte die Steroiddosis rasch reduziert werden. Eine Langzeittherapie sollte wegen der unerwünschten Kortikoideffekte vermieden werden.

  • Schub einer Colitis Crohn: Bei geringer bis mittlerer Aktivität sind Sulfasalazin (Azulfidine®, Colo-Pleon®) oder systemisch-wirksame Steroide eine Option. In Sulfasalazin ist 5- Aminosalizylsäure an das Trägermolekül Sulfapyridin gekoppelt.

Bei distalem Befall sollten begleitend Zäpfchen, Klysmen oder Schäume (5-ASA, Steroide) eingesetzt werden.

  • Schub mit ausgedehntem Dünndarmbefall: Hier sollte mit systemisch-wirksamen Steroiden behandelt werden. Bei mäßiger bis schwerer Krankheitsaktivität sollte frühzeitig mit einer immunsuppressiven Therapie (Azathioprin, 6-MP oder Methotrexat) ergänzt werden.
  • Jeder fünfte Crohn-Patient ist steroidrefraktär, spricht also nicht auf eine Kortikoidtherapie an. Betroffene erhalten Azathioprin (etwa Azafalk®, Imurek®, Zytrim®). Was Patienten bei einer Azathioprin-Therapie wissen müssen: Die Effekte treten erst nach etwa zwei bis sechs Monaten ein. Ist ein schnelles Ansprechen notwendig oder sind Kontraindikationen vorhanden, ist eine zusätzliche Therapie mit Antikörpern gegen TNF-α wie Infliximab (Remicade®) oder Adalimumab (Humira®) indiziert.
  • Eine remissionserhaltende Therapie wird nicht generell für jeden Patienten empfohlen. Die Indikation wird nach individuellen Gesichtspunkten wie Krankheitsverlauf und spezifisches Risikoprofil gestellt. Therapeutika der Wahl sind Azathioprin / 6-MP. Empfohlen wird eine Therapie über mindestens vier Jahren.

Was Patienten mit MC unbedingt wissen sollten: Raucher können wesentlich zu einem Remissionserhalt beitragen, indem sie mit dem Rauchen aufhören.

*Kurzfassung der Leitlinie: Dtsch Med Wochenschr 133, 2008, 1924

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