Colitis ulcerosa / Morbus Crohn

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Ärzte Zeitung, 18.03.2009

CED-Leitlinien unterstützen Remissionserhalt

Für die Betreuung von Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa haben die Fachgesellschaften neue Leitlinien fertig gestellt. Für den Remissionserhalt sind weiterhin Azathioprin und Mesalazin Mittel der Wahl.

Von Philipp Grätzel von Grätz

CED-Leitlinien unterstützen Remissionserhalt

Mittelfristiges Ziel bei Morbus Crohn ist es, einen erneuten Schub zu verhindern.

Foto: Gabriel Blaj©www.fotolia.de

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hat ihre S3-Leitlinie zu Diagnostik und Therapie bei Morbus Crohn vor Kurzem veröffentlicht. Gerade fertig gestellt wurde außerdem die derzeit noch unveröffentlichte Leitlinie zu Colitis ulcerosa der Europäischen Crohn- und Colitis-Gesellschaft ECCO. Professor Martin Zeitz von der Medizinischen Klinik I der Charité Berlin hat die aktuellen Empfehlungen zum Remissionserhalt beim 14. Merckle Recordati-Symposium zur "Zukunft der Gastroenterologie" zusammengefasst.

Beim Morbus Crohn gebe es keine Daten, die belegten, dass jeder Patient zwingend eine remissionserhaltende Therapie machen müsse, so Zeitz. Die Entscheidung falle individuell anhand der Schubfrequenz. Von einer Steroid-Langzeittherapie wird dabei abgeraten.

Stattdessen sollten bei komplexen Verläufen Azathioprin oder 6-Mercaptopurin zum Einsatz kommen. Bei einem erneuten Schub gilt es dann, zunächst Dosis und Zuverlässigkeit der Einnahme zu überprüfen, bevor die Alternativen Methotrexat oder anti-TNF-alfa-Antikörper ins Spiel kommen.

Auch nach einer Crohn-Operation ist, gemäß der Leitlinie, eine medikamentöse Rezidivprophylaxe nicht generell indiziert. Mesalazin ist in dieser Situation wirksam und kann eingesetzt werden. Bei komplexen Verläufen ist erneut Azathioprin indiziert. "Unabhängig von der medikamentösen Therapie ist es ganz wichtig, auf Alkohol und Tabak zu verzichten", so Zeitz. So gebe es Studien, die zeigten, dass zum Beispiel eine remissionserhaltende Therapie mit Azathioprin bei Rauchern nur halb so effektiv ist wie bei Nichtrauchern.

Anders als bei Morbus Crohn wird eine remissionserhaltende Therapie bei Patienten mit Colitis ulcerosa in der neuen ECCO-Leitlinie generell empfohlen. "Orales Mesalazin ist hier eindeutig die First-Line-Therapie", so Zeitz. Besonders gut seien die Daten bei der linksseitigen Colitis und bei der Proktitis.

Schubfrequenz bestimmt remissionserhaltende Therapie.

Die Kombination aus oral und rektal appliziertem Mesalazin ist nach der Leitlinie eine gute Second-Line-Option. "Wenn eine orale Mesalazin-Therapie zweimal pro Woche durch eine lokale Applikation ergänzt wird, lässt sich dadurch die Wirksamkeit der Therapie verbessern", so Zeitz. Empfohlen werden 1,5 Gramm pro Tag für die orale Therapie und 3 Gramm pro Woche, verteilt auf zwei Dosierungen, für die rektale Therapie.

Die nächste Eskalationsstufe beim Remissionserhalt ist dann wie beim Morbus Crohn Azathioprin. Frühe Rezidive oder häufige Schübe unter 5-ASA-Therapie sowie der Einsatz von Calcineurininhibitoren oder i.v.-Steroiden bei der Induktionstherapie sind hier die Indikationen. "Die ECCO-Leitlinien empfehlen dabei explizit, dass die 5-ASA-Präparate trotzdem und langfristig weitergegeben werden sollen", betonte Zeitz. Grund ist vor allem die geringere Inzidenz von kolorektalen Karzinomen bei Colitis-Patienten, die mit Mesalazin behandelt werden.

www.dgvs; www.ecco-ibd.eu

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