Ärzte Zeitung, 21.07.2011

Wenn entzündliches Rheuma auf Magen und Leber trifft

Rheumatologische und gastroenterologische Erkrankungen haben eine enge Wechselwirkung: Sie bedingen sich gegenseitig. So hat etwa jeder fünfte CED-Patient eine Arthritis peripherer oder axialer Gelenke.

Von Michael Hubert

Wenn entzündliches Rheuma auf Magen und Leber trifft

Daktylitis ("Wurstzeh") als extraintestinales Symptom einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung.

© Dr. A. Gödde / Springer Medizin

SANDE. Manifestieren sich intestinale Erkrankungen auch mit einer rheumatologischen Klinik, werden die dabei auftretenden Schmerzen wie etwa der Gelenke oder der Wirbelsäule zunächst oft nicht in Zusammenhang mit der gastroenterologischen Erkrankung gesehen.

Die Verbindung von Darm und Bewegungsapparat ist durch klinische und experimentelle Daten belegt, schreibt Professor Werner-Johannes Mayet (Gastroenterologe 2011; 6: 307.

Bei Spondyloarthritiden gibt es häufig auch Darmläsionen

So entwickeln 14 Prozent der Patienten mit M. Crohn und 8 Prozent jener mit Colitis ulcerosa im Verlaufe der Erkrankung Gelenkentzündungen. Jeder fünfte CED-Patient leidet unter Arthritiden der peripheren Gelenke oder des Achsenskeletts - besonders der Iliosakralgelenke, so der Gastroenterologe vom Nordwest Krankenhaus Sanderbusch.

Seltenere muskuloskelettale Beteiligungen bei CED sind Enthesopathien, Tendinitiden, die Periostitis und granulomatöse Läsionen der Gelenke. Die Enthesitis im Rahmen einer CED schließt Entzündungen der Sehneninsertionen und anderen Strukturen wie Kapseln und Faszien ein - bei rund sieben Prozent der Patienten. Ein weiteres extraintestinales Symptom einer CED könne eine Daktylitis sein - auch als "Wurstfinger" oder "Wurstzeh" bezeichnet, so Mayet.

Es geht aber auch anders herum: Wenn auch ohne klinische Symptome, findet man doch bei bis zu 60 Prozent der Patienten mit Spondyloarthritiden Läsionen des Darms, ähnlich denen eines M. Crohn, so Mayet weiter.

Mittlerweile sind Forscher auch den Ursachen auf die Spur gekommen, warum bei Spondyloarthritiden so oft auch der Darm beteiligt ist: Die Patienten weisen im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen ein verändertes Genexpressionsmuster in der Mukosa auf.

Einige Kandidatengene für die Koinzidenz von Darm- und Gelenkbeteiligung sind bereits bekannt: Etwa 75 bis 95 Prozent der Patienten mit ankylosierender Spondylitis (AS) tragen HLA-B27. Bei Patienten mit AS und M. Crohn liege die Frequenz bei 25 bis 78 Prozent.

Mit dem Auftreten eines M. Crohn konnten drei CARD15*-Polymorphismen assoziiert werden. Das Vorkommen von CARD15-Mutationen bei AS ist auch mit einem hohen Risiko zur Entwicklung einer CED assoziiert. Ein weiterer Befund ist der Nachweis, dass eine subklinische Darmentzündung mit einer Überexpression von Interleukin 23 assoziiert ist.

Doch nicht nur der Darm ist bei Rheuma betroffen, auch die Leber wird in Mitleidenschaft gezogen. So weisen Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) auch erhöhte Werte der Alkalischen Phosphatase (ALP) und γ-GT auf. Histologisch können sich eine Fettleber und Kupffer-ZellHyperplasie zeigen.

Bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) können sich als hepatische Symptome Ikterus, Hepatomegalie und erhöhte ALP-Werte manifestieren. Kommt bei den SLE-Patienten ein Antiphospholipid-Syndrom hinzu, kann sich das auf hepatischer Seite mit Budd-Chiari-Syndrom, Hepatosplenomagalie und in der Histologie mit nodulärer regenerativer Hyperplasie bemerkbar machen.

Arthritis-Symptome bei viralen Hepatitiden

Virale Hepatitiden wiederum können ähnliche klinische Bilder präsentieren wie eine Rheumatoide Arthritis oder auch Symptome von Kollagenosen und Vaskulitiden zeigen. Nach der differenzialdiagnostischen Abgrenzung ist meist die Therapie der gastroenterologischen Grundkrankheit entscheidend für den Verlauf der rheumatologischen Symptomatik.

*Caspase Recruitment Domain

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