Ärzte Zeitung, 09.05.2012

M. Crohn beim Kind: Liegt's an Antibiotika?

Kinder, die häufiger mit Antibiotika behandelt werden, entwickeln einer finnischen Registerstudie zufolge häufiger einen Morbus Crohn. Ein Zusammenhang mit der Entstehung einer Colitis ulcerosa lässt sich dagegen nicht erkennen. Sind die Antibiotika wirklich der Trigger?

Von Beate Schumacher

M. Crohn beim Kind: Liegt's an Antibiotika?

Brauchen Kinder ständig Antibiotika, leidet die Darmflora.

© DenisNata/fotolia.com

HELSINKI. In Deutschland und anderen reichen Industrienationen registriert man einen steilen Anstieg von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) bei Kindern und Jugendlichen. Die Gründe dafür sind bisher unbekannt.

Bei Erwachsenen gibt es Hinweise, dass die Veränderung der Darmflora durch Antibiotika zur Genese eines Morbus Crohn beitragen kann. Finnische Forscher haben nun untersucht, ob der Antibiotikagebrauch auch bei Kindern mit dem CED-Risiko korreliert.

Eine solche Studie lässt sich in Finnland besonders gut durchführen, weil dort für jeden Einwohner alle Antibiotikaverordnungen in einem zentralen Register erfasst werden (Am J Epidemiol 2012; first published online February 24, 2012).

Fast bei der Hälfte der Kinder wurde Morbus Crohn diagnostiziert

595 zwischen 1994 und 2008 geborene Kinder erhielten bis zu ihrem 16. Lebensjahr eine CED-Diagnose; ein Morbus Crohn bestand bei 233, eine Colitis ulcerosa bei 362 Kindern. Ihr Antibiotikaverbrauch wurde mit dem von 2380 gesunden Kindern gleichen Alters und Geschlechts verglichen.

Das Ergebnis: Crohn-Patienten hatten insgesamt mehr Antibiotika erhalten als Kinder ohne CED. Das war auch dann noch der Fall, wenn die letzten sechs Monate vor Diagnosestellung ausgeklammert wurden, weil in dieser Phase möglicherweise wegen der Darmbeschwerden häufiger antibiotisch behandelt wurde.

Kinder mit mindestens sieben Antibiotikarezepten erkrankten doppelt so häufig wie die Kinder, für die zwischen null und sechs Rezepte ausgestellt worden waren; es bestand jedoch keine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung.

Besonders deutlich war der Zusammenhang zwischen Antibiotikagebrauch und M. Crohn bei Jungen und bei Kindern mit einer Diagnose vor dem elften Lebensjahr.

Die Substanzklasse mit der höchsten Krankheitsinzidenz waren Cephalosporine. Im Gegensatz dazu unterschied sich der Antibiotikaverbrauch von Colitis-ulcerosa-Patienten nicht von dem der gesunden Vergleichspersonen.

Antibiotika als Trigger - das ist nicht sicher

"Häufige Behandlungen mit Antibiotika, insbesondere mit Cephalosporinen, in der Kindheit prädisponieren für die Entwicklung eines Morbus Crohn", lautet die Schlussfolgerung der Autoren.

Allerdings ist offen, ob Antibiotika tatsächlich als Trigger für die chronisch entzündliche Darmerkrankung wirken.

Genauso ist vorstellbar, dass Patienten, die besonders häufig Infektionen haben, auch besonders anfällig sind für einen Morbus Crohn und dass der Antibiotikagebrauch nur einen Indikator für diese Verbindung darstellt.

Quelle: www.springermedizin.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »