Ärzte Zeitung, 17.03.2016

Forschungserfolg

Erbgut-Profile bei Entzündungen entdeckt

Die Ergebnisse molekular-genetischer Untersuchungen könnten künftig die Klassifizierung von entzündlichen Erkrankungen unterstützen.

KIEL. Bestimmte Veränderungen im Erbgut erhöhen generell die Wahrscheinlichkeit, eine chronisch-entzündliche Erkrankung zu entwickeln.

Das hat jetzt eine Studie unter Federführung eines Teams aus dem Exzellenzcluster "Entzündungsforschung" ergeben, teilt die Uni in Kiel mit (Nature Genetics 2016, online 14. März). Es existierten also gemeinsame Ursachen für viele dieser Krankheiten.

Das Team verglich dazu die Erbgut-Profile von rund 52.000 Erkrankten und 34.000 Gesunden. "Wir konnten in unserer Studie keinen Beweis für einen kausalen Zusammenhang auf genetischer Ebene zwischen bestimmten chronisch-entzündlichen Krankheiten finden", wird Erstautor Professor David Ellinghaus zitiert.

"Patienten mit Mehrfacherkrankungen, die beispielsweise gleichzeitig unter einer entzündlichen Lebererkrankung und einer entzündlichen Darmerkrankung leiden, zeigen ein anderes molekular-genetisches Risikoprofil als Patienten mit einer klassisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa."

Dieses Ergebnis sei deswegen interessant, weil in beiden Fällen die Darmerkrankungen allein auf klinischer Ebene oft nicht eindeutig zu trennen sind, erinnert die Uni Kiel in ihrer Mitteilung.

Allerdings scheinen viele übergeordnete gemeinsame "Entzündungs-Gene" zu existieren, die für mehrere Krankheiten ursächlich sind. Ellinghaus: "Wegen der Komplexität der Risikoprofile vermuten wir, dass verschiedene molekulare Mechanismen auch bei gemeinsamen ‚Entzündungs-Genen‘ zum Zuge kommen.

Mehr als 80.000 Menschen untersucht

Die Ergebnisse aus molekular-genetischen Untersuchungen könnten somit in Zukunft die Klassifizierung von entzündlichen Erkrankungen unterstützen." Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus 26 verschiedenen Ländern untersuchte Ellinghaus die Erbinformationen von 34.000 gesunden Menschen und 52.000 Betroffenen, die an einer chronisch-entzündlichen Erkrankung leiden.

Dabei stieß das Team auf 27 weitere Genregionen, die auch mit Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Primär sklerosierender Cholangitis und Morbus Bechterew in Verbindung gebracht werden."Veränderungen in diesen Genregionen führen wahrscheinlich zu einer veränderten Steuerung der Proteinherstellung", so Ellinghaus.

"In der Folge reagieren Zellen des Immunsystems verstärkt oder vermindert auf innere und äußere Reize, so dass die gesunde Balance zwischen Immunabwehr und -toleranz außer Kontrolle gerät."

Bei vielen chronisch-entzündlichen Erkrankungen sei ein solches verändertes oder gestörtes Immunsystem ursächlich für den Ausbruch der Krankheit, erläutert der Bioinformatiker.Bisher seien ja viele Forscher der Meinung gewesen, chronisch-entzündliche Erkrankungen würden sich gegenseitig verursachen, so die Uni Kiel in ihrer Mitteilung.

Menschen mit zum Beispiel einer entzündlichen Darmerkrankung erkranken im Vergleich zu Gesunden auch deutlich häufiger an primär sklerosierender Cholangitis, Arthritis oder Psoriasis. (eb)

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