Ärzte Zeitung, 22.04.2008

Op-Verfahren durch Magen oder Vagina immer ausgereifter

Immer mehr Patienten interessieren sich für Op durch natürliche Körperöffnungen

LUDWIGSHAFEN (sir). Die technische Ausstattung für Bauch-Operationen über natürliche Körperöffnungen - NOTES genannt - wird immer ausgereifter. Tierexperimentelle und erste klinische Erfahrungen liegen damit bereits vor. Zudem beginnen Patienten, sich für die Methode zu interessieren.

 Op-Verfahren durch Magen oder Vagina immer ausgereifter

Zur Cholezystektomie über transgastrale Zugänge sind mittlerweile Spezialendoskope verfügbar.

Foto: gvg

Trotzdem ist NOTES (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery) immer noch eine experimentelle Operationsmethode. Der Zugang zum Op-Gebiet erfolgt dabei endoskopisch über die Lumina der Verdauungswege, etwa den Magen, bei Frauen über die Vagina.

Von dort aus wird eine Öffnung in Richtung auf das zu operierende Organ geschaffen. In Deutschland wurden so bisher bei Menschen Cholezystektomien, Appendektomien und Magenvollwand-Resektionen vorgenommen. Ein Dutzend weiterer Operationen wurde an Tieren erprobt.

"In einer Umfrage gaben 70 Prozent der befragten Patienten an, sie würden eine solche Methode bevorzugen und dafür ein geringfügig erhöhtes Operationsrisiko in Kauf nehmen", sagte Dr. Georg Kähler aus Mannheim beim Rhein-Neckar-Forum Gastroenterologie.

"Welche dieser transluminalen Operationen sinnvoll sind, muss sich aber noch erweisen", so Kähler auf der vom Unternehmen Dr. Falk Pharma unterstützten Veranstaltung in Ludwigshafen. "Gerade für die Cholezystektomie hat sich ja bereits das laparoskopische Verfahren etabliert." Technisch werde NOTES allerdings immer ausgereifter. Kähler beschrieb neue, speziell hierfür kreierte Endoskope, die "wie eine Kobra" in ihrer gesamten Länge beweglich und steuerbar seien. Auch spezielle Naht- und Klammervorrichtungen zum sicheren Verschluss der Zugangswege und Operationsstellen seien inzwischen verfügbar.

"Die Industrie ist aufgewacht", freute sich auch Professor Jürgen F. Riemann aus Ludwigshafen. "Als erstes werden wir Gastroenterologen künftig in der Lage sein, die Öffnungen, die wir beispielsweise bei einer Polyp-ektomie oder Mukos-ektomie schaffen, auch selbst wieder adäquat zu verschließen."

Erfahrung mit flexibler interventioneller Endoskopie und mit intraabdominellen Erkrankungen sowie die Fähigkeit zum Umstieg auf konventionelle Operationen seien für diese Techniken aber unverzichtbar, waren sich beide Experten einig.

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