Forschung und Praxis, 28.10.2005

Reflux äußert sich bei älteren Patienten anders

Bei alten Patienten verläuft die gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD) anders als bei jüngeren. Die Unterschiede betreffen sowohl die Symptome als auch den Schweregrad. Darauf wies in Köln Dr. Jürgen M. L. Bauer von der Universität Erlangen-Nürnberg hin.

Zum Schweregrad gibt es divergierende Studienergebnisse, berichtete Bauer in Köln auf einem Satellitensymposium des Unternehmens Altana. Am überzeugendsten findet er eine Untersuchung mit 11 000 Patienten, die eine Abnahme des schweren Sodbrennens im Alter bei gleichzeitiger Zunahme der schweren Ösophagitis belegt (Johnson et al., Gastroenterology 2004).

Auch Komplikationen der GERD wie Ulzera, Strikturen und Barrett-Ösophagus kommen bei älteren Patienten häufiger vor. Insgesamt, so unterstrich Bauer, kommt es zu einer Verschiebung der Symptom: Sodbrennen und Schmerzen nehmen ab, Dysphagie, respiratorische Symptome und Erbrechen treten hingegen vermehrt auf.

Mit höherem Alter werden auch begünstigende Faktoren für GERD immer wichtiger: der untere Ösophagussphinkter erschlafft, Hiatushernien kommen häufiger vor, die Speichelsekretion wird geringer. Hinzu kommen Komorbiditäten mit neurologischen Erkrankungen, zum Beispiel Morbus Parkinson, eine Medikation mit Substanzen wie Theophyllin oder Barbituraten.

Auf Diäten kann bei älteren Patienten meist verzichtet werden

Für die Therapie empfahl Bauer, bei den Allgemeinmaßnahmen auf Diätempfehlungen zu verzichten, da viele ältere Patienten sowieso mangelernährt seien. Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Pantoprazol (etwa Pantozol®) können hingegen auch bei Senioren eingesetzt werden, sofern man die bei ihnen veränderte Pharmakokinetik und die Interaktionen mit anderen Wirkstoffen beachtet.

"Das Alter per se ist jedoch kein Grund zur Dosiskorrektur", sagte Bauer. Grundsätzlich favorisiert er eine Dauertherapie mit PPI gegenüber der On-demand-Einnahme. (miz)

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