Ärzte Zeitung online, 29.12.2011

Säureblockade: Gerne, aber oft unnötig empfohlen

Kollegen in der Klinik empfehlen für einen Patienten im Entlassungsbrief eine Therapie mit Protonenpumpenhemmer. Wie gehen Hausärzte mit einer solchen Empfehlung um? Ärzte aus Göttingen liefern Antworten.

Säureblockade: Gerne, oft aber unnötig empfohlen

Ein PPI für Zwischendurch: In der Klinik zu oft empfohlen.

© Klaus Rose

SALZBURG (mal). Bei vielen aus der Klinik entlassenen Patienten wird eine Therapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI) unnötigerweise fortgeführt.

Hausärzte sollten deshalb Empfehlungen zur PPI-Therapie in Entlassungsbriefen von Kliniken sorgfältig prüfen, raten Kollegen der Universitätsmedizin in Göttingen.

Ihren Rat stützen sie auf die Analyse der Daten von 506 Patienten in insgesamt 35 Praxen, die im Krankenhausentlassungsbrief eine Empfehlung zur PPI-Therapie hatten.

Diese Empfehlung zur PPI-Therapie wurde nach vorliegender Evidenz als "indiziert", "nicht-indiziert" oder "unsicher indiziert" klassifiziert.

Klare Indikation fehlte bei jedem zweiten Patienten

Für gut die Hälfte dieser Empfehlungen habe eine klare Indikation gefehlt, berichtet das Team um Dr. Dirk Ahrens von der Abteilung Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen.

Zwei Drittel dieser nicht-indizierten PPI-Therapien seien in der Klinik begonnen worden. Und bei 57 Prozent der Patienten sei diese Therapie dann auch länger als ein Monat, bei 24 Prozent länger als sechs Monate fortgeführt worden, so Ahrens und seine Kollegen in einer Zusammenfassung der Analyse.

Die Daten hatten die Forscher jüngst beim Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin in Salzburg vorgestellt (Forum Medizin 21 2011; Doc11fom003).

Häufig Verordnungsfehler bei Ulkusprophylaxe

Die Göttinger Kollegen haben auch beobachtet, dass ein PPI in der Praxis vor allem dann weiterverordnet wurde, wenn eine PPI-Medikation schon vor dem Klinikaufenthalt bestand, der Patient über 70 Jahre alt war und eine Low-dose-ASS-Verordnung vorlag.

Auch wenn ein Patient aus einem Krankenhaus der Grundversorgung entlassen worden war, wurde eine PPI-Therapie oft weitergeführt.

Auf der anderen Seite, so Ahrens und seine Kollegen, seien ein Drittel der indizierten PPI-Verordnung nach Entlassung von den Hausärzten nicht fortgesetzt worden.

Besonders bezüglich der Ulkusprophylaxe bei ASS- und NSAR-Risikopatienten habe es häufig Verordnungsfehler gegeben.

Aufgrund ihrer Ergebnisse raten die Göttinger Forscher nicht nur den Hausärzten, Empfehlungen zu einer PPI-Therapie in Entlassungsbriefen der Kliniken sorgfältig zu prüfen.

Auch die Kollegen in den Kliniken sollten ihre Empfehlungspraxis überprüfen und die Indikationen für eine PPI-Therapie im Entlassungsbrief klar dokumentieren.

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