Ärzte Zeitung online, 08.12.2009

Studie: Babys armer Eltern häufiger "unbequem"

ROTTERDAM (dpa). Babys einkommensschwacher und gering gebildeter Eltern sind nach Erkenntnissen niederländischer Forscher häufiger "unbequem" als der Nachwuchs gut situierter Familien mit höherer Bildung. Die Unterschiede seien bereits im Alter von sechs Monaten nachweisbar, heißt es in einer Studie, die das Medizinische Zentrum der Erasmus-Universität in Rotterdam am Dienstag veröffentlichte.

Danach weisen "Arme-Leute-Babys" im Durchschnitt mehr Stresserscheinungen und ein "schwierigeres Temperament" auf als andere: "Sie heulen zum Beispiel lauter und länger beim Waschen, Ankleiden oder Windelwechseln", erklärte die Forscherin Pauline Jansen. "Zudem schlafen diese Kinder schlechter ein, sind schneller durch etwas abgelenkt und reagieren stärker auf Veränderungen." Für ihre Doktorarbeit glich Jansen Daten über 5000 Babys mit Angaben zur Situation der Eltern ab. Sie waren bei einer umfangreichen Studie zum Aufwachsen, zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Gesundheit von 10 000 Kindern in Rotterdam erhoben worden.

Die Gründe für die beschriebenen Verhaltensprobleme seien vielfältig. Auffallend sei aber, dass die Eltern oder Versorger von Kindern in armen Verhältnissen öfter selbst mit Stresssituationen konfrontiert seien. "Wir haben bei diesen Müttern häufiger psychische Probleme beobachtet, oft gab es auch Streitigkeiten zwischen den Eltern." In der untersuchten Gruppe der gering gebildeten Eltern seien 22 Prozent aller Mütter alleinerziehend - gegenüber nur 3 Prozent bei den höher gebildeten und besserverdienenden Eltern.

Die Studie empfiehlt weitergehende Forschungen zum Zusammenhang zwischen einem "schwierigen Temperament" bei Babys und späteren Verhaltensstörungen. Es gebe Hinweise darauf, dass die betreffenden Babys später unter Aufmerksamkeitsdefiziten, Hyperaktivitäts- oder Angststörungen leiden und dadurch Probleme in der Schule und bei der Eingliederung in das gesellschaftliche Leben bekommen. Daher sollte versucht werden, entsprechende Verhaltensprobleme bereits bei Babys zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken, empfiehlt die Autorin.

[10.12.2009, 01:38:53]
Rebecca Erlewein 
Und wo ist das nun überraschend?
Und wieder gibt es eine neue Pathologisierung von Kindern, die den Stress reflektieren, unter dem die Eltern stehen.

Wer jemals unter Geldmangel gelitten hat, wird wissen wie schwierig es ist, den existentiellen Stress, den das verursacht, nicht and die Kinder weiterzugeben.

Weitere Forschungen sollten vielleicht eher in die Richtung gehen, wie man die Eltern dabei unterstützen kann, aus ihrer schwierigen Situation herauszukommen, und wie Stressbewältigungsmaßnahmen sich in der Zwischenzeit auf die "Schwierigkeit" der betroffenen Kinder auswirken.

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