Samstag, 11. Februar 2012
Ärzte Zeitung online, 06.02.2010

Ulmer Psychiater: Computer schaden kleinen Kindern mehr als dass sie nützen

ULM (dpa). Kinder sollten nach Ansicht des Hirnforschers und Psychiaters Professor Manfred Spitzer aus Ulm nicht zu früh mit dem Computer umgehen. 12-Jährige bräuchten noch keine Medienkompetenz, wie manche fälschlich meinten.

Viele Menschen seien inzwischen der Ansicht, dass Kinder schon im Kindergarten in Kontakt mit dem Computer kommen sollten, sagte der Ärztliche Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm dem "Deutschlandradio Kultur". Es gebe jedoch keine einzige Untersuchung, die zeige, dass dies die geistige oder soziale Entwicklung fördere. Nachteile seien jedoch durch eine ganze Reihe sehr guter Studien belegt.

So entwickelten Kinder, die zu früh am Computer sitzen, eher eine Aufmerksamkeitsstörung in der Schule oder bekämen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, sagte Spitzer. Zudem ersetze ein Mausklick am Computer das Anfassen und Bewegen der Dinge nicht. Er erinnerte daran, dass dies aber ein ganz wichtiger Bestandteil des Lernens sei. "Man spricht nicht umsonst davon, dass man Dinge ‘begreift'."

Dem Argument, schon Kinder benötigten Medienkompetenz, trat der Neurowissenschaftler entgegen: Er bezweifle, dass 11- oder 12-Jährige immer beurteilen könnten, was da im Netz alles auf sie einstürme.

Bereits vor einigen Jahren hatte Spitzer in einer Untersuchung festgestellt, dass sich Jugendliche beim Fernsehen oder am Computer sitzend noch weniger bewegen als sitzend in der Schule.

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Neue Ära in der Schlaganfall-Therapie?

Ein neuartiges Therapieverfahren weckt große Hoffnungen bei der Behandlung von akutem Schlaganfall. Jetzt hat es sich in Studien und auch in der Praxis bewährt. Experten jubeln: Die neue Methode wird die Schlaganfall-Therapie grundsätzlich verändern! mehr »

112 - Heute ist Europäischer Notruf-Tag

Nur etwa jeder vierte Europäer kennt die EU-weite Notrufnummer 112. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die EU-Kommission in Brüssel anlässlich des Europäischen Notruf-Tags vorgestellt hat. Die Notrufnummer 112 ist rund um die Uhr und kostenfrei in Europa erreichbar. mehr »

Streit um frühe Nutzenbewertung eskaliert

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) scharf kritisiert. Das Institut missachte Standards der evidenzbasierten Medizin. Das IQWIG kontert: Die Vorwürfe sind unsachlich. mehr »