Ärzte Zeitung online, 06.02.2010
Ulmer Psychiater: Computer schaden kleinen Kindern mehr als dass sie nützen
ULM (dpa). Kinder sollten nach Ansicht des Hirnforschers und Psychiaters Professor Manfred Spitzer aus Ulm nicht zu früh mit dem Computer umgehen. 12-Jährige bräuchten noch keine Medienkompetenz, wie manche fälschlich meinten.
Viele Menschen seien inzwischen der Ansicht, dass Kinder schon im Kindergarten in Kontakt mit dem Computer kommen sollten, sagte der Ärztliche Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm dem "Deutschlandradio Kultur". Es gebe jedoch keine einzige Untersuchung, die zeige, dass dies die geistige oder soziale Entwicklung fördere. Nachteile seien jedoch durch eine ganze Reihe sehr guter Studien belegt.
So entwickelten Kinder, die zu früh am Computer sitzen, eher eine Aufmerksamkeitsstörung in der Schule oder bekämen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, sagte Spitzer. Zudem ersetze ein Mausklick am Computer das Anfassen und Bewegen der Dinge nicht. Er erinnerte daran, dass dies aber ein ganz wichtiger Bestandteil des Lernens sei. "Man spricht nicht umsonst davon, dass man Dinge ‘begreift'."
Dem Argument, schon Kinder benötigten Medienkompetenz, trat der Neurowissenschaftler entgegen: Er bezweifle, dass 11- oder 12-Jährige immer beurteilen könnten, was da im Netz alles auf sie einstürme.
Bereits vor einigen Jahren hatte Spitzer in einer Untersuchung festgestellt, dass sich Jugendliche beim Fernsehen oder am Computer sitzend noch weniger bewegen als sitzend in der Schule.

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