Ärzte Zeitung, 23.08.2010

Kommentar

Hilflos bei unruhigen Kindern

Von Wolfgang Geissel

Nicht nur in den USA, auch in Deutschland werden immer mehr Kinder und Jugendliche mit Medikamenten gegen ADHS behandelt. Nach einer Umfrage der KKH-Allianz erhielten vergangenes Jahr 3,8 Prozent aller Sechs- bis 18-Jährigen Methylphenidat oder Atomoxetin. Im Vergleich zu 2005 sei dies eine Steigerung von 52 Prozent, so die Krankenkasse.

Die rasante Zunahme ist Ausdruck für die große Hilflosigkeit vieler Eltern und Lehrer im Umgang mit unruhigen Kindern. Wer oft im Unterricht stört, landet in manchen Bundesländern schon nach wenigen Monaten auf einer Förderschule.

Die medizinische Versorgung Betroffener ist dabei katastrophal: Es kann über ein Jahr dauern, bis Eltern einen Facharzttermin bekommen, die aufwändige Diagnostik abgeschlossen ist und eine Therapie beginnen kann. Und auch dann bietet die Schulmedizin oft nicht mehr als Medikamente, weil Therapeuten fehlen.

Kinderpsychiater, spezialisierte Pädiater und Psychotherapeuten werden dringend gebraucht, um verhaltensauffällige Kinder bei uns angemessen und schnell versorgen zu können.

Lesen Sie dazu auch:
Die Jüngsten einer Klasse kriegen oft den Stempel ADHS

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Bundestag macht den Weg frei für Cannabis auf Rezept

13:12Ärzte können Hanf als verschreibungspflichtiges Medikament verordnen. Nach jahrelanger Debatte hat das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu geregelt. Krankenkassen müssen die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »