Ärzte Zeitung, 03.05.2012

GBA regelt ADHS-Medikation für Erwachsene

NEU-ISENBURG (eis). Der GBA will die Verordnung von Methylphenidat - wie bereits bei Kindern geregelt - auch für Erwachsene einschränken.

Die geplanten Regelungen hat der GBA jetzt vorgestellt und fordert die Hersteller bis Ende des Monats zu Stellungnahmen auf.

Indiziert sind die Medikamente mit dem Wirkstoff bei Erwachsenen ab 18 Jahren zur Behandlung eines seit dem Kindesalter fortbestehenden ADHS, wenn andere Therapien nicht ausreichen.

Geplant sind dazu die Verordungseinschränkungen (Anlage III der Arzneimittel-Richtlinien):

Die Behandlung muss unter Aufsicht eines Spezialisten für Verhaltensstörungen durchgeführt werden.

Die Diagnose erfolgt angelehnt an DSM-IV-Kriterien oder Richtlinien in ICD-10 und basiert auf einer vollständigen Anamnese und Untersuchung des Patienten. Diese schließen ein strukturiertes Interview mit dem Patienten zur Erfassung der aktuellen Symptome, inklusive Selbstbeurteilungsskalen ein.

Die retrospektive Erfassung des Vorbestehens einer ADHS im Kindesalter muss anhand validierter Instrumente erfolgen.

Die Diagnose darf sich nicht allein auf das Vorhandensein eines oder mehrerer Symptome stützen.

[04.05.2012, 15:02:11]
Dr. Mustafa Ayhan 
Kontrollgier ohne Vertrauen

Ich bekomme Gaensehaut wenn ich das lese:

"Die retrospektive Erfassung des Vorbestehens einer ADHS im Kindesalter muss anhand validierter Instrumente erfolgen."

Liebe Kontrollfreaks, es gibt leider noch keinerlei Teststreifen bzw. Urin Schnelltests welche die Krankheit diagnostieren.
Stattdessen soll nun der Patient, welcher auf Hilfe hofft, von einem Spezialisten zum naechsten gejagt werden bis man dann keine Lust mehr hat und lieber damit lebt statt sich behandeln zu lassen! zum Beitrag »
[04.05.2012, 09:58:34]
Dipl.-Med Thomas Greger 
Welch eklatantes Missverständnis
diese Störung immer nur als "Verhaltenssstörung" zu begreifen. Da übersteigt die Fachkunde des GBA wohl nicht die von TV-Journalisten wie wohl wieder demnächst in der ARD zu sehen ("Pillen für den Störenfried") und trägt so zur Stigmatisierung Betroffener bei. zum Beitrag »
[03.05.2012, 22:00:54]
Alexander Kohler 
Das begrüße ich außerordentlich.
Es gibt momentan einfach zu viele "Diagnosen", die irgendwie in irgendwelchen Arztpraxen irgendwie zwischen Tür und Angel entstanden sind, keinen bestehenden Leitlinien gerecht werden und zu einem großen Teil schlicht falsch positiv sind.

Was die Medikation angeht, so dürfte das m.E. ein guter Schritt auf dem Weg dahin sein, dass fachgerecht diagnostizierte Erwachsene mit einer ADS bzw. ADHS auch fachgerecht medikamentiert werden können und hierbei die Basis für eine generelle Kostenübernahme bezüglich der gesetzlichen Kassen geschaffen wird.

Insgesamt dürfte diese Regelung also einer (überfälligen) Steigerung der Qualität und Sicherheit gestellter AD(H)S-Diagnosen bei Erwachsenen zuträglich sein. zum Beitrag »

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