Ärzte Zeitung, 22.07.2005

"Terrorismus untergräbt die demokratischen Werte"

Experte äußert sich auf Konferenz zur Angstforschung

HALLE (dpa). Terrorattacken wie die Selbstmordanschläge von London, Madrid und New York untergraben nach Expertenansicht die demokratischen Werte ganzer Nationen.

"Die Menschen werden bereit zu Einschränkungen bei Rede- und Reisefreiheit und unterstützen stärkere Gewaltanwendung gegen die Täter", sagte der Psychologe Stevan Hobfoll von der Kent State University in Ohio, USA, in einem Gespräch zu Beginn der 26. Internationalen Konferenz zur Streß- und Angstforschung, die bis Samstag in Halle stattfindet. Hobfoll befragt in seinen Studien seit mehreren Jahren Betroffene von Terroranschlägen in Israel sowie in New York.

"Viele merken gar nicht, wie sich ihre Einstellung ändert", bemerkte der Experte. Sie träten - allgemein befragt - nach wie vor für demokratische Prinzipien ein. "Doch wenn es darum geht, im Kampf gegen Terroristen die Grenzen undurchlässiger zu machen oder Haß-Prediger zu stoppen, sind sie für Einschränkungen".

Dabei werde nicht jeder gleich antidemokratisch, so Hobfoll. "Wenn aber alle in ihrer Gesinnung je nach Ausgangsposition ein, zwei Schritte weiter nach rechts treten, kippt die Waage irgendwann auf die andere Seite um", sagt der US-Forscher.

Nach Überzeugung des Psychologen ist es jedoch ein Trugschluß zu glauben, allein mit Polizeimaßnahmen wie schärferen Kontrollen an Flughäfen und Kampfansagen könnten Terroranschläge verhindert werden. "Das muß es zwar auch geben, wichtig ist vor allem aber auch, die Anführer aufzuspüren sowie die Muslime in vielen Ländern Europas besser zu integrieren."

Die Gesellschaft für Streß- und Angstforschung - Stress and Anxiety Research Society (STAR) - ist eine internationale Organisation von Wissenschaftlern. Sie versteht sich als multidisziplinäre Vereinigung, deren Mitglieder die Probleme von Angst, Streß und Streßbewältigung beleuchten und nach Lösungen suchen.

An den jährlichen Tagungen nehmen 300 bis 400 internationale wissenschaftliche Experten aus mehr als 35 Ländern teil. Die nächste Jahrestagung wird 2006 auf Kreta ausgerichtet.

Weitere Informationen im Internet unter www.star2005.org

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