Ärzte Zeitung, 27.02.2009

Die ideale Patientin ist volljährig und psychisch gesund

Wenn es um plastisch-ästhetische Operationen geht, sind auch Psychosomatiker gefragt.

Von Thomas Meißner

Welche plastisch-ästhetischen Eingriffe sind bei Frauen medizinisch gerechtfertigt? Dazu haben Psychologinnen, ein plastisch-ästhetischer Chirurg sowie eine Gynäkologin eine psychosomatische Checkliste erarbeitet, mit deren Hilfe Anhaltspunkte dafür ermittelt werden können, für welche Frau eine solche Op sinnvoll ist. Dazu gehört etwa, die Motive zu ermitteln und den Leidensdruck sowie die Erwartungen abzuschätzen.

Motive dafür, plastische Chirurgen zu konsultieren, können orthopädischer Art sein, etwa Rückenschmerzen bei Makromastie. Jedoch sei der Druck, sich bestimmten Schönheitsidealen zu unterwerfen, beachtlich gestiegen, stellen die Psychotherapeutin Dr. Almut Dorn vom Endokrinologikum Hamburg und ihre Kollegen fest (Der Gynäkologe 41, 2008, 995). Abweichungen von dem, was als normal angesehen wird, müsse man "in den Griff" kriegen, so ein verbreitetes Körperbild. Es geht um Selbstakzeptanz, um Akzeptanz in der Gruppe, aber auch um Kontrolle über den eigenen Körper, um Selbstverwirklichung oder emotionale Stabilisierung. Innere Schamlippen, die die äußeren überragen werden als Fehlbildung angesehen, die es zu beseitigen gilt.

Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper kann psychische Folgen haben wie geringes Selbstwertgefühl oder Depressionen und Essstörungen. Intime Kontakte werden vermieden bis hin zur Ablehnung enger Freundschaften. Gerade um Kontraindikationen einer Operation zu klären, die von psychischen Störungen ausgehen, fordern Dorn und ihre Kollegen eine enge Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen, plastischen Chirurgen und Psychosomatikern.

So weist ein extremer Leidensdruck bei wenig von der Norm abweichender äußerer Erscheinung und beharrlicher Nachfrage um operative Eingriffe auf eine körperdysmorphe Störung hin. Der Anteil dieser Frauen und Mädchen ist in schönheitschirurgischen Praxen mit sieben bis 15 Prozent deutlich überrepräsentiert - in der Durchschnittsbevölkerung geht man von einem Anteil von zwei Prozent aus. Realitätsverlust und absurde Körpervorstellungen weisen auf eine psychotische Störung hin. Tauchen Mädchen und Frauen in Begleitung dominanter Bezugspersonen auf, kann es sein, dass die ästhetische Operation gar nicht selber gewünscht wird, sondern eigene Bedürfnisse jenen anderer Personen untergeordnet werden.

Die "ideale Patientin", so Dorn und ihre Kollegen, sei volljährig, psychisch gesund und habe einen nachvollziehbaren Leidensdruck. Die Erwartungen an die operativ erreichbaren Veränderungen sind realistisch. Nach einer Studie sind psychisch stabile Frauen am meisten zufrieden mit den Operationsergebnissen.

Mögliche psychische Kontraindikationen

  • körperdysmorphe Störung
  • psychotische Störung
  • Persönlichkeitsstörung
  • Essstörung
  • Transsexualität (wenn Vorgaben nicht eingehalten wurden)
  • Jugendliche mit sozialer Isolierung, starker Angepasstheit, Pubertätsunsicherheiten
  • (Gynäkologe 41, 2008, 995)

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