Ärzte Zeitung online, 12.02.2009

Bundestag berät über Hilfen für traumatisierte Soldaten

BERLIN (dpa). Der Bundestag berät am heutigen Donnerstag über Hilfen und Beratungsangebote für Soldaten, die nach Auslands- und Kriseneinsätzen unter psychischen Problemen leiden. Die Fraktionen von Union, SPD, FDP und Grünen wollen die Bundesregierung auffordern, die Betreuung der Bundeswehrangehörigen bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zu stärken und weiterzuentwickeln.

Die mittel- und langfristigen Folgen einer solchen Störung sind "oftmals Depressionen, Gereiztheit, Verschlossenheit oder auch Suchtprobleme. Je nach Ausmaß der Beschwerden kann dies auch bis zur Dienstunfähigkeit führen", heißt es im Bundestagsantrag. Mit einem Mix an internen und externen Behandlungsmöglichkeiten habe die Bundeswehr bisher zwar bereits gute Erfahrungen gemacht. Angesichts "steigender Fallzahlen und absehbarer zukünftiger Einsatzszenarien" müssten aber weitere Behandlungsmöglichkeiten geschaffen werden - darunter Anlaufstellen, an die man sich auch anonym und telefonisch wenden kann.

Für die Einrichtung eines Forschungszentrums für traumatisierte Heimkehrer macht sich der Psychologe und Oberfeldarzt Peter Zimmermann vom Bundeswehrkrankenhaus Berlin stark. "Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, sich in ihr soziales Umfeld einzugliedern, sind reizbar und leiden unter den Erinnerungen, die ständig in ihnen hochkommen", sagte Zimmermann der am Donnerstag erscheinenden "Frankfurter Rundschau". "Traumatisierte stehen unter Dauerspannung, sie brauchen ihre ganze Kraft, um die Erinnerungen zu unterdrücken."

Die Kapazitäten zur stationären Betreuung in den vier Bundeswehrkrankenhäusern bezeichnet Zimmermann aber als "ausreichend". Dort würden schwere Traumata in mehrwöchigen stationären Therapien und ambulanter Nachbetreuung behandelt. Die Zahl traumatisierter Bundeswehrsoldaten hat sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums binnen zwei Jahren vervierfacht. Nach Angaben von Minister Franz Josef Jung (CDU) leiden "knapp über zwei Prozent" der Afghanistan-Heimkehrer unter einem Trauma.

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