Ärzte Zeitung online, 17.03.2009

Wirtschaftskrise verstärkt psychische Probleme im Job

BERLIN (dpa). Angst um den Job hinterlässt Spuren: Die Wirtschafts- und Finanzkrise wird nach Angaben des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit negative Folgen für die Psyche von Arbeitnehmern haben. Bereits für 2008 belegen Krankenkassen-Analysen, dass es längere Fehlzeiten durch seelische Leiden gibt, wie das Bündnis am Dienstag in Berlin mitteilte.

Ein Auslöser dafür sei Stress im Job. Der wachsende Druck auf die Wirtschaftsunternehmen könne diese Situation noch verschärfen. In Berlin will eine internationale Konferenz noch bis Mittwoch diskutieren, wie die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz auch in Krisenzeiten gestärkt werden kann.

Psychische Erkrankungen schlagen nach einer Analyse der AOK von Ende Februar bei Krankschreibungen in Deutschland immer stärker zu Buche. 2008 fehlten von 9,7 Millionen AOK-Versicherten rund acht Prozent wegen psychischer Probleme. Seit 1995 seien die Fehlzeiten in diesem Bereich damit um 80 Prozent angestiegen.

Nach Angaben der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) von Anfang März hat fast jeder siebte Beschäftigte Angst vor einer Kündigung, jeder neunte sieht sich im Konkurrenzkampf mit seinen Kollegen. Dieser Stress belastet Körper und Seele. Mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer leidet nach DAK-Angaben an Symptomen wie Schlafstörungen (53 Prozent), depressiven Verstimmungen (37 Prozent), Nervosität (36 Prozent) und Konzentrationsstörungen (32 Prozent). Die Grenze zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen sei dabei fließend.

Vor allem Männer und ältere Berufstätige versuchten, Stress im Job mit Alkohol zu bewältigen, Frauen griffen eher zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Die DAK stellte darüber hinaus Mitte Februar in einer repräsentativen Umfrage fest, dass 800 000 gesunde Bundesbürger gegen Stress und Konflikte am Arbeitsplatz bereits regelmäßig zu Medikamenten greifen. Rund zwei Millionen Menschen sagten in der Studie, schon einmal Stimmungsaufheller oder Arzneien zur Konzentrationssteigerung geschluckt zu haben.

An der internationalen Konferenz in Berlin nehmen 20 Länder teil. Unter den 130 Experten sind Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer und Selbsthilfe-Vertreter. Die Konferenz steht im Zusammenhang mit Initiativen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der EU, die Risiken für psychische Leiden im Job senken wollen.

Zum Bündnis Seelische Gesundheit gehören Experten der Psychiatrie und Gesundheitsförderung sowie Betroffene. Schirmherrin ist Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).

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