Ärzte Zeitung online, 07.09.2011

PTBS nach Amoklauf: Gene entscheiden mit

ATLANTA (hkj). Sind manche Menschen durch ihre Gene besonders anfällig für Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)? Hinweise dafür haben US-Forscher jetzt bei Zeugen eines Amoklaufs an der Northern Illinois University gefunden.

PTBS nach Amoklauf: Gene entscheiden mit

Trauer nach dem Amoklauf an der Northern Illinois: Angehörige entwickeln häufiger ein PTBS, wenn sie eine bestimmte Genvariation aufweisen.

© UPI Photo / imago

Bei dem Amoklauf im Februar 2008 hatte ein Schütze auf dem Campus fünf Menschen getötet und 21 verletzt.

Als Teilnehmer einer laufenden Studie hatten über 600 Studentinnen der Universität per Zufall bereits vor dem Ereignis Fragebögen zu traumatischen Erlebnissen in ihrem Leben und PTBS Symptomen beantwortet.

Diese besondere Situation ermöglichte eine prospektive Untersuchung von Gen - Umwelt Interaktionen bei der Entwicklung einer PTBS.

Mehr als ein Drittel der initial untersuchten Studentinnen zeigte Symptome von PTBS nach der Schießerei. Bei 204 Studentinnen wurden zusätzlich DNA-Analysen anhand von Speicheltests ausgewertet (Arch Gen Psychiatry 2011; online 5. September).

Polymorphismus verändert Serotonin-Transporter

Die Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen Polymorphismen des für das Serotonin Transporter Gen kodierenden Lokus SLC6A4 (5-HTTLPR und rs25531) und dem Risiko für die Entwicklung einer PTBS in Folge der Schießerei.

Eine genetische Komponente bei der Entwicklung einer PTBS ist zwar bekannt. Die genauen molekulargenetischen Zusammenhänge sind aber bisher noch weitestgehend unklar.

Die Forscher hoffen nun, dass ein besseres Verständnis für diese genetischen Wege zu neuen Optionen für die Behandlung und Prävention der PTBS beitragen könnten.

[07.09.2011, 16:51:54]
Thomas Grimm 
Genetik vs. Epigenetik?
Den Zusammenhang von Gen - Umwelt - Interaktionen vermag die immer noch kaum bekannte Epigenetik besser zu erklären. Nur so ist es zu erklären, dass Genetiker immer noch nach genetischen Mustern für solche Beziehungen suchen.
Umwelteinflüsse bewirken Änderungen der Genaktivität, z. B. durch Methylierung und weitere Mechanismen, das Genom bleibt dabei unangetastet.
Erfreulicher Nebeneffekt: mancherlei Umwelteinflüsse kann der Einzelne durch seine Lebensweise korrigieren, man ist den (unveränderlichen) Genen nicht gnadenlos ausgeliefert.
Epigenetische Forschung fand auch Hinweise, dass epigenetische (erworbene) Genaktivitätsmuster vererbt werden, sogar über mehrere Generationen.
Schlußfolgerung: Man erbt zwar die Genaktivitätsmuster, hat aber selbst einen Einfluß darauf, wie duerhaft sie wirksam sind.

Die Epigenetik ist in der Lage, viele unverstandene Vererbungsprozesse schlüssig zu erklären, leider ist sie in Forscherkreisen und in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt.

T. Grimm zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »