Ärzte Zeitung, 19.01.2004

Neuartiges Psychiatrie-Zentrum speziell für junge Menschen

Therapieeinrichtung in Heidelberg für Jugendliche in psychischen Krisen eröffnet / Festes Team betreut Patienten ab zwölf bis 28 Jahre

HEIDELBERG (bd). Ein nach Angaben der Uni Heidelberg weltweit einzigartiges Therapiezentrum ist kürzlich eröffnet worden: Im Heidelberger Frühbehandlungszentrum (FBZ) werden Heranwachsende in psychischen Krisen von Kinder-, Jugend- sowie Erwachsenenpsychiatern gemeinsam behandelt.

Erstmals steht ein kontinuierliches Behandlungskonzept für die gesamte Adoleszenz zur Verfügung, wie Professor Christoph Mundt, Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, die neue Einrichtung beschrieben hat. Das FBZ wird von der Allgemein- sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie gemeinsam betrieben.

Für Patienten im Alter zwischen zwölf und 28 Jahren mit psychischen und psychiatrischen Erkrankungen soll hier möglichst früh eine Diagnose gestellt werden. Zudem sollen Behandlungsbrüche durch den Wechsel von der Jugend- in die Erwachsenenpsychiatrie vermieden werden.

Immer mehr Heranwachsende geraten in psychische Krisen oder leiden unter klinisch relevanten psychiatrischen Problemen. Fast jeder fünfte Jugendliche sei inzwischen davon betroffen, so Professor Franz Resch von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Heidelberg. Das FBZ ist Anlaufstelle für Heranwachsende in solchen Krisensituationen. Die Patienten werden von einem festen Team ambulant, teil- oder vollstationär und in der Nachsorge betreut.

Aufnahme-Indikationen sind Zeichen einer beginnenden Psychose, Borderline-Persönlichkeitsstörungen, Angst oder Zwangsleiden sowie schwere Eßstörungen, Selbstverletzungstendenzen und posttraumatische Störungen, etwa nach Mißbrauch oder Gewalt. 16 stationäre Betten und drei bis sechs teilstationäre Plätze sowie eine Nachsorgeeinheit stehen vorerst zur Verfügung. Die Bettenkapazität soll auf 32 erhöht werden. Die Räumlichkeiten sind jugendgerecht eingerichtet.

Das Behandlungsspektrum setzt sich zusammen aus psychotherapeutischer und pädagogischer Betreuung sowie Musik-, Ergo- und Kunsttherapie. Zudem gibt es bewegungs-, pflege- und arbeitstherapeutische Maßnahmen. Zum interdisziplinären Therapieteam gehören außer Psychiatern auch Psychologen, Fachtherapeutinnen, Pflege- und Erziehungskräfte und Sozialarbeiterinnen.

Auf dauerhafte Bezugspersonen im Therapieteam wird Wert gelegt, denn die kontinuierliche Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten ist Grundlage einer erfolgreichen Therapie. Familie und soziales Umfeld sollen in die Behandlung einbezogen werden, ein mobiles Team steht auch für Hausbesuche zur Verfügung.

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