Ärzte Zeitung, 17.05.2004

Unruhe der Beine ist bei manchen Patienten genetisch bedingt

Dopaminerge Substanzen und Opioide gute Optionen

FRANKFURT AM MAIN (ner). Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) hat bei einigen Patienten offenbar eine genetische Ursache. Etwa die Hälfte aller Patienten mit einem RLS berichtet über weitere Betroffene in der Familie.

Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung haben ein RLS, bevorzugt mit Bewegungsdrang der Beine, verbunden mit Mißempfindungen, die häufig auch den Schlaf stören.

Bislang sind drei chromosomale Orte identifiziert worden, auf denen Gene liegen, die möglicherweise an der Krankheitsentstehung beteiligt sind: Chromosom 9, 12 und 14. Vor allem bei Erkrankungsbeginn vor dem 30. Lebensjahr werde ein autosomal-dominanter Erbgang angenommen, sagte die Neurologin Dr. Juliane Winkelmann aus München.

Trete die Symptomatik erst später auf, gebe es dagegen keinen Hinweis auf einen dominanten Erbgang, sagte Winkelmann auf der Veranstaltung des Unternehmens Hoffmann-La Roche in Frankfurt/Main.

Im allgemeinen sprächen Patienten mit familiärem RLS gut auf eine Behandlung mit dopaminergen Substanzen oder Opioiden an. An erster Stelle steht dabei die Therapie mit L-Dopa in Kombination mit Benserazid (Restex®), dem bislang einzigen für diese Indikation zugelassenen Medikament.

So sollten RLS-Patienten mit Einschlafstörungen ein bis zwei Tabletten des Präparates etwa eine halbe bis eine Stunde vor dem Schlafengehen einnehmen, bei Ein- und Durchschlafstörungen gegebenenfalls kombiniert mit ein bis zwei Retardkapseln (Restex® Retard), so die Neurologin. L-Dopa eigne sich auch gut zur Bedarfsmedikation tagsüber. Eine Tagesdosis von 400 mg sollte jedoch nicht überschritten werden.

Weitere Optionen bieten nach Angaben von Winkelmann Dopamin-Agonisten, die etwas früher vor dem Schlafengehen eingenommen werden müssen als L-Dopa. Bei unzureichendem Ansprechen auf Dopaminergika können Opioide versucht werden, etwa Tramadol 50 bis 150mg oder Tilidin 50 bis 200 mg. Zum Teil sei eine Kombination mit Antiemetika nötig. Bei Kindern, bei denen zum Teil fälschlicherweise ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom vermutet wird, seien mit Antikonvulsiva wie Gabapentin gute Erfolge erreicht worden, sagte Winkelmann.

Patienten für Studie gesucht

Derzeit läuft ein Forschungsprojekt mit RLS-Familien aus dem Bayrischen Wald, wo es offenbar eine erhöhte Inzidenz für RLS gibt. Ziel ist es, das Vorkommen der Erkrankung in der Verwandtschaft zu untersuchen. Interessenten aus der Region können sich mittwochs vormittags bei Dr. Juliane Winkelmann melden unter der Telefonnummer 089/3187-4096. (ner)

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