Ärzte Zeitung, 29.06.2004

Nach Kopfverletzung auf die Hormone achten!

Insuffizienz des Hypophysen-Vorderlappens oft unentdeckt / Jährlich 80 000 Patienten in Deutschland betroffen

STUTTGART (sko). Falls Patienten, die über einen Leistungsabfall klagen, innerhalb der letzten zwölf Monate ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) hatten, sollten Sie die Funktion des Hypophysen-Vorderlappens (HVL) überprüfen.

Die Hypophyse ist durch ihre Lage im Bereich der Schädelbasis besonders verletzungsgefährdet. In Autopsien von Patienten mit SHT sei bei bis zu 86 Prozent der Patienten eine Verletzung der Hypophyse belegt worden, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Aber: "Bisher ging man davon aus, daß eine HVL-Insuffizienz eine seltene Komplikation des SHT ist", erklärt Professor Günther Stalla aus München. Doch neuere Studien konnten belegen, daß mindesten 30 Prozent der Patienten mit einer Hypophysen-Schädigung eine Hormonstörung entwickeln - die sich auch erst nach einem Jahr bemerkbar machen kann. Auf Deutschland bezogen seien dies 80 000 Patienten im Jahr, von denen die meisten bisher unerkannt blieben.

Da die Hypophyse einige andere Hormondrüsen steuert, kann sich eine HVL-Insuffizienz in vielen Symptomen äußern. Ein Mangel an Wachstumshormon kann beim Erwachsenen zum Leistungsabfall und zu Konzentrationsstörungen führen. Bei einer Störung der Schilddrüse kann es zu Depressionen und Lethargie kommen. Fehlen Sexualhormone, kann die Achsel- oder Schambehaarung ausfallen. Die Gesellschaft rät, bei Patienten nach einem Schädel-Hirn-Trauma den Hormonstatus langfristig zu überprüfen

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