Ärzte Zeitung, 20.05.2005

Doppel-Strategie bei bipolaren Störungen als Rückfall-Schutz

Medikamentöse Phasenprophylaxe etwa mit Olanzapin / Psychoedukation dient als Frühwarnsystem und ist wirksamer als Verhaltenstherapie

HAMBURG (grue). Patienten mit bipolarer Erkrankung brauchen nach Abklingen einer akuten Krankheitsepisode einen Rückfallschutz. Bewährt hat sich eine Kombination aus Psychopharmaka und Psychoedukation.

Medikamente sind zur Stimmungsstabilisierung bei bipolar Erkrankten meist unerläßlich; die Psychoedukation dient vor allem als Frühwarnsystem. "Patienten, die ihre Krankheit gut kennen, werden Prodromalsymptome ernst nehmen und umgehend ihren Psychiater aufsuchen." Das sagte Dr. John Cookson aus London bei einer Veranstaltung des Unternehmens Lilly in Hamburg. "Sie haben auch weniger Angst vor der Krankheit und können wesentlich besser mit einer sich anbahnenden manischen Phase umgehen".

Die Psychoedukation, bei der unter anderem der individuelle Krankheitsverlauf besprochen wird, sei bei bipolar Erkrankten wirksamer als eine klassische Verhaltenstherapie, sagte der Psychiater. Sie ersetze aber nicht die Phasenprophylaxe mit Medikamenten.

Außer dem Goldstandard Lithium steht unter anderen auch das Antipsychotikum Olanzapin (Zyprexa®) zur Verfügung, sofern der Patient darauf in einer zurückliegenden manischen Episode angesprochen hat. In Studien schützte Olanzapin besser vor einer erneuten Manie als Lithium. Gegen Umschwünge in eine Depression wirkten beiden Medikamenten ähnlich stark.

Allerdings werden die Patienten in der Praxis selten nur mit einem Psychopharmakon behandelt, berichtete der Psychiater. Weil sie häufig Mischsymptome aus Manie und Depression haben, werden Kombinationen verwendet, oft bis zu vier Medikamenten. Cookson verwendet Olanzapin zum Beispiel auch in der Akutphase einer Depression, wenn ein Stimmungsstabilisierer nicht hilft. "Die Kombination aus Olanzapin und dem Antidepressivum Fluoxetin führt dann häufig zum gewünschten Erfolg".

Dagegen hält der Psychiater wenig davon, bei akut depressiven Patienten den Stimmungsstabilisierer mehrfach höher zu dosieren oder mit einer ähnlich wirkenden Substanz zu kombinieren. "Dann werden die Medikamente schlecht vertragen und die Patienten setzen sie schnell ab, was den Therapieerfolg gefährdet". Auch plötzliches Absetzen einer Medikation sei nicht geeignet. So erhöhe die abrupte Beendigung einer Lithiumbehandlung das Rückfall- und Suidzidrisiko.

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