Ärzte Zeitung, 30.11.2005

Entstigmatisierung psychisch Erkrankter wird gefördert

Die stärkste Ausgrenzung vom gesellschaftlichen Leben gibt es bei Alkoholismus und Schizophrenie / Zwei Initiativen erhalten Auszeichnung

BERLIN (ugr). Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) macht gegen die Stigmatisierung psychisch Erkrankter mobil. Bereits zum dritten Mal wurde bei dem DGPPN-Kongreß in Berlin in Kooperation mit dem Verein "Open the doors" der mit 6000 Euro dotierte Förderpreis zur Entstigmatisierung vergeben.

Verleihung des Förderpreises zur Entstigmatisierung: Dr. Kerstin Wundsam (BASTA), Prof. Wolfgang Gaebel. Foto: DGPPN

Preisträger sind zu gleichen Teilen "BASTA - das Bündnis für psychisch erkrankte Menschen" und das Projekt "Sächsisches Psychiatriemuseum" des Vereins Durchblick. Das Preisgeld haben die DGPPN und Sanofi-Aventis finanziert.

BASTA wurde 2000 ins Leben gerufen. In Bayern werden über BASTA etwa Polizisten während ihrer Ausbildung speziell geschult, um Berührungsängste und Vorurteile gegenüber psychisch Kranken abzubauen.

Das Sächsische Psychiatriemuseum wurde 2001 vom Verein Durchblick in Leipzig eröffnet. Mit Ausstellungen, Stadtrundgängen, Veranstaltungen und Projekten wird im Museum die Geschichte der Psychiatrie in Sachsen dargestellt. Ziel ist es, die Öffentlichkeit über Psychiatrie aufzuklären und Arbeitsmöglichkeiten für Betroffene zu schaffen, die im Museum in verschiedenen Bereichen beschäftigt werden.

Noch immer führe die Stigmatisierung psychisch Kranker dazu, daß die Betroffenen vom gesellschaftlichen Leben teilweise ausgeschlossen werden, sagte Professor Wolfgang Gaebel aus Düsseldorf bei der Preisverleihung. Die Betroffenen müßten nach wie vor gravierende Nachteile befürchten, wenn sie ihre Erkrankung nicht verschweigen, etwa bei der Job- und Wohnungssuche oder beim Abschluß von Versicherungen. Im Privatleben komme es häufig zum Rückzug von Freunden und Bekannten. Am stärksten sei die Stigmatisierung bei Alkoholismus und Schizophrenie.

An Schizophrenie erkrankte Patienten würden häufig mit Gewalttätigkeit und Unberechenbarkeit in Verbindung gebracht. Das Gefahrenpotential werde von Laien stark überschätzt, sagte Professor Christoph Stuppäck aus Salzburg. "Schizophrene Menschen sind aber sehr viel häufiger Opfer von Gewalt als Täter."

Wichtige Strategien zur Verringerung der Stigmatisierung sind nach Ansicht der DGPPN vor allem drei Ansätze: Erstens die Aufklärung über Ursachen, Therapien und Verlauf psychischer Erkrankungen. Zweitens der Protest gegen stigmatisierendes und diskriminierendes Verhalten, etwa in der Werbung und in den Medien, sowie drittens persönliche Begegnungen zwischen psychisch Erkrankten und nicht Erkrankten.

Unter Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) haben DGPPN und der Verein "Open the doors" Ende 2004 ein nationales Antistigma-Programm initiiert, in dem auch die Bundesverbände Psychiatrie-Erfahrener (BPE) und der Angehörigen psychisch Kranker (Familienselbsthilfe Psychiatrie) teilnehmen.

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