Ärzte Zeitung, 05.12.2005

Forscher entwickeln fühlende Kunsthand

Hand-Prothese wird mit hochsensiblen Wärme- und Drucksensoren ausgerüstet / Hand soll bewußt kontrollierbar sein

MÜNCHEN (wst). Menschen, die ihre Hand bei einem Unfall verloren haben, können vielleicht bald eine künstliche Hand erhalten, die sie nicht nur bewußt bewegen. Sie sollen damit auch spüren, was sie anfassen.

Die Entwicklung von Neuroprothesen macht große Fortschritte: So können Blinde mit Hilfe von Retina-Implantaten zumindest wieder ein bißchen sehen, Rollstühle und Roboterarm lassen sich durch Gedanken lenken, und implantierte Nervenstimulatoren werden entwickelt, die den Blutdruck senken, epileptische Anfälle verhindern oder auch Depressionen lindern.

     Die Hand wird an Nerven angeschlossen.
   

Ein neues Projekt sei die Entwicklung einer künstlichen Hand, so der Ingenieur Professor Klaus-Peter Hoffmann vom Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik aus St. Ingbert. Damit sollen Patienten in Zukunft nach ausgiebigem Training nicht nur greifen, sondern auch wieder fühlen können, sagte Hoffmann auf einer Veranstaltung des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) in München. Forscher des Instituts wollen eine solche fühlende Kunsthand innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahren konstruieren.

Damit die Patienten mit der Hand Empfindungen wahrnehmen können, wird sie mit hochsensiblen Wärme- und Drucksensoren ausgerüstet. Die Sensoren wandeln Signale über einen integrierten Mikroprozessor in elektrische Impulse um, die über sensorische Nervenfasern vom Armstumpf ins Gehirn weitergeleitet werden. Die bewußte, zielgeleitete Bewegung der Handprothese erfolgt über motorische Fasern im Stumpf, die über Elektroden und zwischengeschaltete Wandler mit der Kunsthand verbunden sind.

Die Verbindung zwischen Kunsthand und Stumpf wird bei größeren Nerven über vergleichsweise einfach anmutende Manschettenelektroden hergestellt, die über die distalen Nervenstümpfe geschoben und fixiert werden. Die Anbindung filigraner Nervenstrukturen erfolgt über miniaturisierte Gitterelektroden, in die Nervenfasern hineinsprossen, angelockt durch künstliche Botenstoffe.

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