Ärzte Zeitung, 13.09.2007

An Myasthenia gravis stirbt heute keiner mehr

100. Jahrestagung der Neurologen / Fortschritte in der Neurologie gewürdigt / Neue Therapien werden erwartet

BERLIN (gvg). In den vergangenen 100 Jahren gab es große Fortschritte in der Neurologie. So lautet das Fazit führender deutscher Neurologen zum 100. Geburtstag ihrer Gesellschaft. Gewagt haben die Kollegen auch einen Ausblick auf die nächsten 100 Jahre.

Professor Günther Deuschl aus Kiel - Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) - erinnerte daran, dass die Neurologie in den Jahrzehnten nach ihrer Gründung am 14. September 1907 eine wesentlich von Ärzten aus Deutschland geprägte Disziplin war. "Nach der Katastrophe der Nazi-Zeit haben wir etwa seit den 80-er Jahren auch dank der Unterstützung durch aus Deutschland emigrierte Juden Anschluss an die weltweite neurologische Forschung gefunden", so Deuschl.

Im Rückblick auf die vergangenen 100 Jahre trug der DGN-Vorsitzende einige wegweisende Entwicklungen zusammen. So habe die Einführung von Aciclovir und seinen Nachfolgepräparaten seit den 70-er Jahren tausenden von Patienten mit Herpes simplex-Enzephalitis das Leben gerettet. "Vorher sind fast alle dieser Patienten gestorben."

Auch die schwere Muskelschwäche Myasthenia gravis sei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch als eine für die Mehrheit der Betroffenen tödliche Erkrankung angesehen worden. Heute seien Todesfälle die absolute Ausnahme. Ähnliches gelte für Patienten mit Morbus Parkinson, die dank moderner Arzneimittel ein annähernd normales Alter erreichten.

Ausruhen möchten sich die Neurologen auf diesen Erfolgen nicht: Professor Hans-Christoph Diener aus Essen nannte die medikamentöse Therapie bei Migräne, die tiefe Hirnstimulation und die Stammzelltherapie bei Morbus Parkinson als Gebiete, in denen bald wesentliche therapeutische Fortschritte zu erwarten seien: "Wir müssen uns aber auch stärker mit den ethischen Konsequenzen der modernen Neurobiologie und mit der Frage der Finanzierbarkeit von Therapien auseinander setzen", so der Experte.

Weitere Infos im Internet unter: www.dgn2007.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »