Ärzte Zeitung, 14.05.2008

Rückenschmerz und Anämie - das kann auch ein Myelom sein

Allein Laborbefunde wie eine monoklonale Gammopathie rechtfertigen noch keine Therapie - es müssen auch Symptome vorliegen

MÜNCHEN (wst). Ist bei Patienten über 50 Jahren mit unklaren Rücken- oder anderen Knochenschmerzen die Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht und liegt zusätzlich noch eine Anämie vor, könnte ein Multiples Myelom die Ursache sein. Allerdings ist das Myelom selten und allein suspekte Laborbefunde, etwa einer monoklonalen Gammopathie, rechtfertigen noch keine Therapie.

Wie Professor Hartmut Goldschmidt aus Heidelberg bei einer Veranstaltung in München berichtet hat, leben in Deutschland etwa 12 000 überwiegend ältere Myelompatienten. Jährlich erkranken etwa 3500 Menschen neu am Myelom. Bei einem solitär medullären Befall, der jedoch nur bei etwa drei Prozent aller Myelompatienten vorkommt, bestehen durch chirurgische Entfernung des befallenen Knochenherdes gute kurative Chancen. Bei den anderen Myelom-Formen ist jedoch eine Heilung unwahrscheinlich.

Durch geeignete Chemotherapien, idealerweise in Verbindung mit autologen oder bei jüngeren Patienten auch allogenen Stammzelltransplantationen, werden aber oft lang anhaltende Remissionen mit guter Lebensqualität erzielt. Mit jedem Rezidiv wird es aber schwieriger, eine erneute Remission zu erreichen, und vor allem wird die Remissionsdauer im Schnitt immer kürzer.

Allein die labormedizinische Diagnose einer so genannten monoklonalen Gammopathie mit elektrophoretischem Nachweis eines monoklonalen Myelom-Proteins (M-Protein) in Serum und Urin rechtfertigt noch keine Therapie. Denn ein solcher Befund findet sich bei einem Prozent der über 50-Jährigen und bei drei Prozent der über 70-Jährigen. Und nur bei einem kleinen Teil davon entwickelt sich ein prognostisch bedeutsames Myelom.

Konsequent zu behandeln sind Patienten, sobald sie auch nur diskret symptomatisch werden. Das sagte Goldschmidt auf einer Veranstaltung von Essex Pharma. Das heißt, zusätzlich zum Nachweis des M-Proteins in Serum und/oder Urin sowie dem Nachweis klonaler Plasmazellen im Knochenmark muss mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein: Hyperkalzämie, Niereninsuffizienz, Anämie oder radiologisch nachweisbare Knochenveränderungen.

Zur Therapie bei Multiplem Myelom steht seit kurzem auch pegyliertes Doxorubicin (Caelyx®) zur Verfügung, und zwar in Kombination mit Bortezomib für zuvor behandelte Patienten mit fortgeschrittenem Multiplem Myelom.

STICHWORT

Multiples Myelom

In Deutschland leben etwa 12 000 Menschen mit einem Multiplen Myelom (Plasmozytom). Jährlich erkranken 3500 Menschen daran. Beim Plasmozytom sind die antikörperproduzierenden B-Lymphozyten oder Plasmazellen entartet. Sie vermehren sich unkontrolliert im Knochenmark. Sie schädigen die Knochengerüststruktur und die Immunabwehr.

Die Immunglobuline, die sie ausschütten, sind atypisch oder nur Fragmente. Die Immunglobuline lassen sich mit der Immunelektrophorese nachweisen. (sir)

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