Ärzte Zeitung, 29.04.2008

KOMMENTAR

Halsschmerzmittel gegen Alzheimer

Von Thomas Müller

Vielleicht wird es doch noch wahr, dass in den nächsten Jahren ein neues Alzheimer-Medikament auf den Markt kommt, und zwar eines, das in die Pathogenese eingreift. Nachrichten vom US-amerikanischen Neurologen-Kongress nähren jedenfalls diese Hoffnung.

Ein Sekretase-Hemmer scheint den Verlauf der Erkrankung etwas zu bremsen. Solche Nachrichten waren selten in den letzten Jahren, und davon wären noch viel mehr nötig. Schließlich sind die Möglichkeiten der Alzheimer-Therapie noch immer sehr unbefriedigend - man kann mit den bisher verfügbaren Mitteln lediglich die Progression etwas verzögern.

Das ist auch mit Tarenflurbil nicht anders - im Gegensatz zu Cholinesterase-Hemmern und Memantine wirkt das NSAR-Derivat sogar nur in frühen Alzheimer-Stadien. Doch das schöne am neuen Therapie-Ansatz ist: Er kann mit der bisherigen antidementiven Therapien kombiniert werden und bringt dabei einen Zusatznutzen.

Das legen zumindest die Phase-II-Daten nahe, die jetzt auf dem Kongress in Chicago vorgestellt wurden. Allerdings: Um einen völlig neuen Wirkstoff handelt es sich bei Tarenflurbil nicht, sondern nur um ein davon räumlich verschiedenes Moleküle des seit langem bewährten Flurbiprofens gegen Halsschmerzen.

Forscher haben jedoch längst Substanzen synthetisiert, die noch spezifischer Sekretasen blockieren als das NSAR-Derivat. Man darf also gespannt sein, ob sich diese Mittel nun auch in Studien bewähren.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Enzyme und Statine - Intensive Suche nach neuen Arzneien gegen Alzheimer trägt Früchte

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