Ärzte Zeitung online, 30.04.2008

Forscher sehen Gehirnen beim Denken zu

JENA (eb). Ein ultraschneller Magneto-Enzephalograph (MEG) ist jetzt in der Universität Jena in Betrieb genommen worden. Das Gerät "Elekta Neuromag MEG" wird derzeit hauptsächlich in der Forschung genutz, vor allem in Studien zur Schmerzempfindung, Schwerhörigkeit oder Regenerationsprozessen nach Hirnverletzung.

Forscher sehen Gehirnen beim Denken zu.

Foto: dpa

Was passiert eigentlich, wenn das Auge ein Bild aufnimmt? Wie genau übersetzt das Gehirn die Sinneseindrücke in die Information rechts steht ein Haus? Und welche Hirnregionen müssen zusammen aktiv werden, damit unser Gehirn die Information erhält, dass der linke kleine Zeh weh tut?

Diese Fragen zum Informationstransfer im Gehirn gehören zu den derzeit spannendsten in den Neurowissenschaften und der Medizinforschung. Antworten versuchen die Wissenschaftler dadurch zu finden, dass sie dem Gehirn faktisch bei der Arbeit zusehen. Möglich wird dies durch funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), oder mit Hilfe der selteneren MEG). Diese messen und verarbeiten die von elektrischen Strömen im Gehirn erzeugten Magnetfelder berührungslos.

Ein solches Gerät der jüngsten Generation ist jetzt am Biomagnetischen Zentrum des Universitätsklinikums Jena in Betrieb genommen worden. Es kostet 1,5 Millionen Euro.

Der neue MEG funktioniert so: Die Probanden sitzen unter dem Gerät, den oberen Teil des Kopfes von eine Art Halbhelm umschlossen. So kann nahezu die gesamte biomagnetische Information des Gehirns gleichzeitig erfasst werden, erklärte Professor Jens Haueisen, Leiter des Biomagentischen Zentrums, die Neuerungen. "Vorher waren uns nur punktuelle Messungen an einzelnen Stellen möglich."

Zudem gab es vorher nur 31 Kanäle. Jetzt fließen die Daten über 306 Kanäle in das MEG. "Das erlaubt uns ganz neue und andere Untersuchungen als bisher", so Haueisen. "Die Informationsflüsse innerhalb verschiedener Hirnregionen während der Wahrnehmungsprozesse lassen sich so präziser und schneller erfassen und abbilden", so der Wissenschaftler. "Im Prinzip können wir dem Gehirn live bei der Arbeit zusehen".

Das neue Gerät wird hauptsächlich zu Forschungszwecken eingesetzt. Aktuell kommt das Gerät vor allem in Studien zu Schmerzempfindung, Lärmschwerhörigkeit und zu Reorganisationsprozessen im Gehirn nach Verletzungen zum Einsatz. Diese und weitere Forschungsfragestellungen werden mit dem neuen Gerät u.a. von Forscherteams im Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung Jena (IZKF) und der Bernstein Gruppe Jena bearbeitet.

Der Vorteil der vom MEG erzeugten Daten im Vergleich zu den Bildern aus dem funktionellen MRT liegt i in der hohen zeitlichen Auflösung der elektrischen Aktivitäten verschiedener Hirnareale. "So können wir die komplexen Abläufe der Wahrnehmung hoffentlich umfassender und besser verstehen, und künftig daraus Erkenntnisse für die Diagnostik und mögliche Therapien neurologischer Erkrankungen ableiten", so Haueisen.

Die Bedingungen dafür, die zukünftigen Ziele erreichen zu können, sind in Jena besonders gut: Mit dem neuen MEG verfügt das Jenaer Biomagnetische Zentrum über drei Labore und den Prototypen eines Magneto-Kardiographen. Damit gehört das Zentrum am Universitätsklinikum Jena zu den am besten ausgerüsteten Zentren dieser Art in Deutschland.

Weitere Infos: www.uniklinikum-jena.de/Dem_Gehirn_beim_Denken_zusehen.html

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