Ärzte Zeitung online, 04.08.2008

Placebo-Effekt unterscheidet sich bei Männern und Frauen

TÜBINGEN (eb). Placebo- und Nocebo-Effekte entsehen bei Frauen und Männern auf unterschiedliche Weise. Frauen lassen sich eher von ihren Erfahrungen leiten, Männer sind dagegen für Suggestionen empfindlicher, haben Tübinger Forscher herausgefunden.

In zwei Experimenten konnten die Wissenschaftler zeigen, dass eine in einem Drehstuhl induzierte Übelkeit sowohl durch Suggestionen verstärkt als auch durch Konditionierung erlernt werden kann. "Auffallend war, dass die Suggestionen vor allem auf die Männer wirkte, während die Frauen stärker im Konditionierungsexperiment reagierten", hat Professor Paul Enck von der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen in einer Mitteilung des Uniklinikum berichtet.

Im Versuchsaufbau wurden die Probanden in einen Drehstuhl gesetzt, der Übelkeit auslöst. Parallel dazu erhielten die Versuchspersonen einen kurzen Geschmacksreiz. Die eine Hälfte gekoppelt mit der Information, dass es ihnen bei dem Geschmacksreiz deutlich übel würde, die andere Hälfte ohne diese Information. Besonders Männer zeigten sich anfällig für diese suggestive Beeinflussung. In einer zweiten Gruppe wurde derselbe Versuch, Drehstuhl mit Geschmacksreiz, über drei Wochen erlernt. Hier zeigten sich vor allem Frauen anfälliger für die Übelkeit, sie verwerten offensichtlich einmal erlernte Erfahrungen anders als Männer.

Im Endergebnis waren die Effekte bei Männern und Frauen gleich groß. Placebo-Effekte und wie in diesen Experimenten Nocebo-Effekte - also negative Wirkungen unter Placebo - könnten auch in Arzneistudien auf unterschiedliche Weise entstehen, vermuten die Forscher. Der Placeboeffekt sei damit wesentlich komplexer als bislang angenommen, und Geschlechtsunterschiede seien ebenfalls von Bedeutung.

Die Ergebnisse sind aktuell in der Fachzeitschrift Neuron (59, 2008, 195) veröffentlich worden.

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