Ärzte Zeitung online, 29.08.2008

Bei Demenzkranken auf Antipsychotika verzichten!

LONDON (hub). Antipsychotika erhöhen das Schlaganfallrisiko. Dabei ist der Unterschied zwischen klassischen Präparaten und Atypika nur gering.

Das hat eine Auswertung der Daten von sechs Millionen Patienten der britischen Hausarzt-Datenbank (General Practice Research Database) ergeben. Knapp 7000 Patienten hatten einen Schlaganfall erlitten und innerhalb des Studienzeitraums von 1988 bis 2002 mindest einmal Antipsychotika verordnet bekommen (BMJ online). Bei diesen Patienten war die Schlaganfallrate für typische Antipsychotika 1,7-fach erhöht und für Atypika 2,3-fach, im Vergleich zu Patienten, die keine solchen Arzneien erhalten hatten.

Demenz-Patienten mit antipsychotischer Therapie hatten sogar eine um den Faktor 3,5 erhöhte Schlaganfallrate. "Wir bestätigen, dass die Risiken von Antipsychotika bei Demenzkranken deren Nutzen überwiegen", schreibt Dr. Ian Douglas aus London. Wenn immer möglich, solle der Gebrauch antipsychotischer Arzneien bei diesen Patienten vermieden werden, so Douglas.

[01.09.2008, 16:22:03]
Tom Jeffrey Lohmann 
Vermeidung von Antipsychotika. Prima Idee. Wann? 2030? Oder noch später oder nie?
Wenn es dafür eine Alternative gäbe, wäre das auch kein Problem, sicher werden organische Ursachen wie Exsikkose, Infekte und Elektrolytentgleisungen vorher ausgeglichen. Aber was machen sie mit einem psychotisch erregten älteren Patienten der um sich schlägt, beißt, tritt und mit Sachen wirft? Er stellt für sich eine Gefahr und für Mitpatienten bzw. in Heimen für Mitbewohner eine Gefahr dar, weswegen sie ja oft ins Krankenhaus eingewiesen werden, weil man in den Heimen überfordert ist mit solchen Patienten. Agitierte demente Patienten schädigen ihr Herzkreislaufsystem ebenso, wenn nicht sogar massiver als ein Neuroleptikum es tut, davon mal abgesehen was die Verletzungsgefahr wie hoch die Verletzungsgefahr dabei ist. Es wird bei einer medikamentösen therapie darauf geachtet so weing wie nötig zu geben und auch im Verlauf einen Auslass der Medikation wieder zu versuchen, denn aus Erfahrung wissen wir, das sich das Verhalten während des Demenzprozesses ändert. Sie können aber den Patienten nicht wie einen wilden rum rennen lassen, sie haben seine Lebensqualität jetzt zu beeinflussen und nicht in 10 Jahren. Er soll sich schließlich als Mensch fühlen und nicht als wildes Tier. Daher ist es auch immer wichtig seine Therapie regelmäßig zu überdenken und auf hochpotente Neuroleptika zu setzen und nicht niedrigpotente.
Und solange keine ausreichende umfangreiche und qualifizierte Pflege in Heimen und Sozialdiensten möglich ist, medikamentöse Therapie neben der ergotherapeutische - mangelhaft verschrieben und ausgeführten Therapie - die führende Therapie bleiben. zum Beitrag »

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