Ärzte Zeitung online, 22.10.2008

Internationaler Tag des Stotterns - Einer von 100 Erwachsenen stottert

BERLIN (dpa). Gut ein Prozent der Erwachsenen in Deutschland stottert. Darauf weist die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe (BVSS) anlässlich des internationalen Tag des Stotterns am heutigen Mittwoch mit. Fachleute betonen, dass Stottern meist keine psychischen Ursachen hat. Doch genau davon gehen etwa 90 Prozent der Menschen aus, sagt Silke Mortsiefer, Sprachtherapeutin in Köln.

Wer stottert, ist für viele gleichzeitig schüchtern, ängstlich, zurückgeblieben - und irgendwie seltsam. "Davon kann jedoch keine Rede sein", betont Mortsiefer.

Experten gehen davon aus, dass bestimmte Muskelsysteme beim Stottern nicht mehr korrekt zusammenarbeiten. Stattdessen werden sie gleichzeitig aktiviert. Und zwar so, dass sie gegeneinander arbeiten.

Wann es zum Stottermoment kommt, ist bei jedem unterschiedlich. Manche Leute stottern bei jeder Silbe, andere nur bei bestimmten Wörtern oder in Stress-Situationen. Der Redefluss wird dann von Blockaden, Wiederholungen von Wortteilen ("h-h-h-hart") oder Dehnungen ("MMMMilch") unterbrochen. Weil das Sprechen dadurch anstrengend wird, verkrampft sich häufig die Gesichtsmuskulatur, Kopf, Arme und Oberkörper zucken beim Reden.

Warum Menschen plötzlich anfangen zu stottern, ist nicht vollständig geklärt

Warum Menschen plötzlich anfangen zu stottern, ist nicht vollständig geklärt. "Es gibt nicht die eine anerkannte Ursache", sagt Mortsiefer. Als sicher gelte, dass die Redeflussstörung vererbt werden kann.

Fest steht auch, dass Stottern schon im frühen Kindesalter beginnt. Rund fünf Prozent aller Kinder stottern, heißt es bei der Bundesvereinigung. Bei 75 Prozent der betroffenen Jungen und Mädchen verliert sich die Störung aber wieder. "Für die anderen ist es wichtig, dass ihre Behinderung früh genug erkannt wird", sagt Mortsiefer. Denn nur dann könne verhindert werden, dass sich die "Sprachunflüssigkeiten" zum chronischen und lebenslangen Stottern ausweiten.

Therapien gibt es viele. "Seriös sind aber nur die, die keine absolute Heilung versprechen", sagt Mortsiefer. Denn als Erwachsener werde man das Stottern nicht mehr los. "Man muss das Stottern annehmen und damit leben."

In Selbsthilfegruppen können Betroffene lernen, ihre Sprachhemmungen zu überwinden. Wichtig ist, Menschen beim Umgang mit Stotterern zu sensibilisieren. Betroffene mögen es nicht, wenn ihr Gegenüber einfach die Sätze beendet. Es dauert einfach nur länger.

www.bvss.de

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