Ärzte Zeitung online, 13.01.2009

Althaus noch nicht vernehmungsfähig - Verlegung in Reha-Klinik

JENA/WIEN (dpa). Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) ist nach Meinung der Ärzte nach seinem schweren Skiunfall "bis auf weiteres" nicht vernehmungsfähig. Sein Zustand schwanke trotz der gesundheitlichen Fortschritte, sagte der ihn behandelnde Direktor der Neurochirurgie am Universitätsklinikum Jena, Professor Rolf Kalff, am Montag.

Es zeigten sich immer wieder Gedächtnislücken und Orientierungsprobleme bei dem 50-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft in Leoben in Österreich, die wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, hat noch nicht über einen Zeitpunkt für Althaus‘ Vernehmung entschieden. Bei dem Zusammenprall mit Althaus auf einer Skipiste in der Steiermark war eine 41-jährige Frau tödlich verletzt worden.

Der Vernehmungszeitpunkt hänge auch von den behandelnden Ärzten ab, sagte Staatsanwaltssprecher Walter Plöbst. Der CDU-Politiker soll voraussichtlich in der kommenden Woche in eine Reha-Klinik verlegt werden. Offen ist laut Staatsanwaltschaft noch, ob die Vernehmung durch einen Vertreter der österreichischen Anklagebehörde oder über Amtshilfe durch die deutsche Staatsanwaltschaft geführt wird. Thüringens Staatsanwaltschaften liegen nach eigenen Angaben bisher keine Amtshilfe-Ersuchen vor.

Althaus könne das Bett ohne Unterstützung verlassen und habe bereits erste Trainingseinheiten auf einem Hometrainer absolviert, sagte Kalff. "Wir mussten aufpassen, dass er nicht auf Leistung trainiert." In anderen Phasen könne er sich aber "an Dinge nicht mehr erinnern, die ihm eine Viertelstunde vorher erzählt wurden." Dies sei "kein ungewöhnlicher, sondern ein völlig normaler Krankheits- und Genesungsverlauf", sagte der Direktor des Universitätsklinikums, Professor Klaus Höffken. Er widersprach damit Medienberichten. Die Ärzte hatten bei dem Politiker nach dem Unfall ein schweres Schädelhirntrauma diagnostiziert.

Die Frau des Ministerpräsidenten, Katharina Althaus, erklärte am Montag: "Ich bin dankbar dafür, dass mein Mann den Skiunfall in Österreich trotz seiner erheblichen Verletzung überlebt hat und inzwischen über den Berg ist." Es mache sie jedoch weiterhin sehr betroffen, dass bei dem Unfall die Skifahrerin ihr Leben verlor. Die Ehefrau des CDU-Politikers bat um Verständnis, dass ihr Mann für seine Genesung viel Ruhe und Geduld brauche und dankte den Ärzten.

Zur weiteren Genesung versuchen die Jenaer Ärzte, jegliche Aufregung von Althaus fernzuhalten. Der Regierungschef brauche eine "familiäre Umgebung und viel Ruhe". Weiterhin dürften ihn nur die engsten Angehörigen besuchen. Vorübergehend seien außerdem Fernsehen und Radio aus seinem Zimmer entfernt worden. Die aktuellen Zeitungen dürfe Althaus nicht lesen, Handy und Laptop nicht benutzen.

Das Geschehen bei dem folgenschweren Zusammenstoß am Neujahrstag sei dem Politiker "nicht in vollem Umfang bewusst", sagte Kalff. "Die volle Tragweite des Unfalls wird er erst mit Verlauf der Behandlung vollständig wahrnehmen." Althaus sei sich auch nur in guten Phasen über seine eigenen Verletzungen im Klaren.

Der Thüringer Regierungschef war am Freitag von der Klinik im österreichischen Schwarzbach nach Jena gebracht worden.

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