Ärzte Zeitung online, 17.02.2009

Viele inhaftierte Straftäter sind psychisch krank

AACHEN (dpa). Viele Häftlinge leiden einer Studie zufolge unter psychischen Erkrankungen. Ihre Behandlung sei in den meisten Fällen unzureichend, da sie kaum eine Lobby hätten, sagte Professor Frank Schneider, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), am Dienstag in Aachen.

Für die Studie wurde 2002 und 2003 die psychische Verfassung von 63 Frauen und 76 Männern aus der Justizvollzugsanstalt Bielefeld mit Hilfe von Fragebögen, Interviews und der Auswertung von Gesundheitsakten untersucht. 88 Prozent der Inhaftierten haben demnach psychische Erkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen - oft eine Folge der belastenden Lebensumstände in der Haft.

Für 83 Prozent der Betroffenen bestehe hoher Behandlungsbedarf, sagte Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Aachen. Er sei davon überzeugt, dass sich die Ergebnisse der Studie auf das gesamte Bundesgebiet übertragen ließen: "Die Ergebnisse haben das aufgezeigt, was allen, die in dem System arbeiten, schon längst auf der Hand liegt: Die Versorgung der Gefangenen ist desolat."

Seine Forderung laute deshalb: "Wir brauchen in Deutschland eine adäquate, das heißt menschengerechte psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung in den Justizvollzugsanstalten." Die Beratungs- und Behandlungsangebote für die Betroffenen müssten auf einen Stand gebracht werden, wie er in den USA und Skandinavien längst vorhanden sei.

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