Ärzte Zeitung online, 24.02.2009

Psychiater warnen vor Einschnitten bei der Versorgung von Kindern

BERLIN (dpa). Trotz steigenden Bedarfs droht rund 50 000 psychisch kranken Kindern in Deutschland eine schlechtere Therapie. Vor entsprechenden Sparmaßnahmen der gesetzlichen Krankenkassen warnte der Vorsitzende des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychosomatik, Dr. Maik Herberhold in Berlin.

Trotz monatelanger Verhandlungen sei die Zukunft von Teams aus Heil- und Sozialpädagogen in vielen Praxen ungewiss. "Angesichts der explosionsartigen Zunahme der Fälle ist das absurd", sagte Herberhold.

12 Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Jungen sind laut offiziellen Zahlen in ihrem Verhalten auffällig. In einzelnen Regionen habe die Zahl in den vergangenen Jahren um 25 Prozent zugenommen, sagte der Verbandsvorsitzende.

Bereits im vergangenen Sommer hatten Krankenkassen Verträge gekündigt, auf deren Basis bundesweit Pädagogen die Arbeit der Psychiater und Therapeuten unterstützten. Mit relativ geringen Kosten konnten nach Angaben des Verbands statt 150 bis zu 400 gestörte Kinder pro Praxis und Quartal behandelt werden. Die Pädagogen trainieren mit kranken Kindern zum Beispiel die Konzentration oder den besseren Umgang mit Ängsten und halten Kontakt zu Eltern und Erziehern. Insgesamt hätten mindestens 200 000 Minderjährige davon profitiert.

"Das ist Basisarbeit, keine Luxusversorgung", versicherte Herberhold. Dennoch stehe dieses Angebot in manchen Bundesländern auf der Kippe - so in Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Das Bundeskabinett hatte vergangene Woche beschlossen, dass die Krankenkassen diese Leistungen angemessen vergüten müssen. Herberhold forderte die Kassen auf, die Vorgabe schnell umzusetzen. "Die bisherige Blockadehaltung droht ansonsten nachhaltig die sozialpsychiatrische Versorgungsstruktur zu schädigen", sagte er an die Adresse des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung.

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