Ärzte Zeitung, 27.02.2009

Kommentar

Moralapostel gegen Schönheitswahn

Von Ingrid Kreutz

Wer nicht hören will, muss fühlen! Das gilt im wahrsten Sinne des Wortes für so manche junge Frau, die sich die Schamlippen verkleinern lässt - meist einem neuen Schönheitsideal folgend. Gute Studiendaten zu den Risiken des Eingriffs fehlen zwar, aber glaubt man den Berichten im Internet von Betroffenen und Gutachtern, ist nach Labienstraffung mit diversen Langzeitfolgen, etwa mit Wundheilungs- und Sensibilitätsstörungen zu rechnen.

Dass viele junge Frauen, besonders solche in der Pubertät, mit allen Mitteln versuchen, ihr Aussehen auch im Genitalbereich einem allgemeinen Trend anzupassen, lässt sich aus der Sicht der Betroffenen nachvollziehen. Bedenkt man jedoch, dass es sich meist um völlig normal aussehende, gesunde Frauen handelt, sollten Kollegen angesichts der möglichen Langzeitfolgen einer Labienstraffung alles daran setzen, die Mädchen durch gute Gespräche von dem Eingriff abzubringen. Nicht selten haben die Betroffenen auch psychiatrische Erkrankungen, die es aufzudecken und behandeln gilt. Falls alle Stricke reißen und eine Frau mit dem nötigen Kleingeld doch den Eingriff verlangt, gibt es nur noch eine Lösung: Den Moralapostel spielen und den Eingriff verweigern - falls keine medizinische Indikation vorliegt!

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