Ärzte Zeitung online, 09.04.2009

GEW fordert Disziplin auf Klassenfahrten

KIEL (dpa). Nach dem Tod von drei Lübecker Berufsschülern, die auf einer Klassenreise in die Türkei giftigen Alkohol getrunken hatten, hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schützend vor den Lehrer gestellt.

Auch für volljährige Schüler gelte auf Klassenfahrten ein Alkoholverbot und dagegen hätten die jungen Leute verstoßen, sagte der Landesgeschäftsführer der GEW Schleswig- Holstein, Bernd Schauer. Er plädierte dafür, künftig noch strikter auf die Einhaltung dieses Verbotes zu dringen und Schüler bei Verstößen sofort nach Hause zu schicken.

Sieben Schüler eines Lübecker Bildungszentrums hatten in ihrem Hotel in Kemer den giftigen Alkohol in der Annahme getrunken, es sei Wodka. Den Schnaps hatten sie nach eigenen Aussagen in dem Hotel gekauft, um trotz Verbots des Lehrers eine private Party zu feiern. Drei junge Männer im Alter von 21, 19 und 18 Jahren starben an Methanol-Vergiftung, die vier anderen wurden gerettet.

Einer der Geretteten erhob inzwischen Vorwürfe gegen den Lehrer, der die insgesamt elf Schüler auf Klassenfahrt in die Türkei begleitet hatte. Der 19-Jährige sagte der NDR 1 Welle Nord, der Lehrer habe sich während der ganzen Reise kaum um die Gruppe gekümmert. Sein 21 Jahre alter Mitschüler habe mehr als 20 Stunden mit einer Methanol-Vergiftung in seinem Hotelzimmer gelegen, bevor der Lehrer nach ihm geschaut habe, gab der Berufsschüler an.

Dazu sagte Schauer, wenn das zuträfe, wäre das tatsächlich problematisch. "Ein Lehrer auf Klassenfahrt sollte schon wissen, wo seine Schüler sind und das gegebenenfalls auch kontrollieren", sagte Schauer. Es ist allerdings unklar, ob der 21-Jährige hätte gerettet werden können, wenn er früher gefunden worden wäre.

"Eine Klassenfahrt ist ein Abbild des richtigen Lebens Jugendlicher mit all seinen Problemen wie Alkohol, Drogen und Gewalt. Das ist für Lehrer ein gewaltiger Stress", sagte Schauer. Sie müssten entscheiden, wie konsequent sie ihre Anordnungen und Verbote durchsetzen und wie viel Freiheit sie ihren Schülern lassen sollen.

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